Über die Psychoanalyse

 



Es ist keine einfach Aufgabe, eine Antwort auf die Frage „Was ist Psychoanalyse” zu finden, und unzählige Bände sind bereits über dieses Thema geschrieben worden. In dem hier gezeigten kurzen Schwarz-Weiß-Zeichentrickfilm, der eher im Stil eines Werbe- anstatt eines Dokumentarfilms gehalten ist, soll die Neugierde des Zuschauers geweckt werden. Die Hauptfigur benutzt eine psychoanalytische Sitzung, um seine intensive Reaktion auf eine negative Erfahrung auf der Arbeit zu verarbeiten. Der Film versucht, visuell einige zentrale Komponenten des psychoanalytischen Prozesses aufzuzeigen, unter anderem die analytische Funktion, Transferenz, Träume, Wiederholungen und den Ödipus-Komplex. Passen Sie gut auf, damit Sie die relevanten Stellen nicht verpassen! Regie Giovanni Polizzi, Text und Video The Institute of Psychoanalysis Audio Visual Project.
 
 
 


Was versteht man unter Psychoanalyse?

Psychoanalyse ist eine Behandlungsmethode, die auf der Beobachtung basiert, dass Individuen sich oft vieler Faktoren nicht bewusst sind, die ihre Gefühle und ihr Verhalten beeinflussen. Diese unbewussten Kräfte können der Grund für nicht unerhebliches Leid und Kummer sein. Manchmal mag sich dies in Form von erkennbaren Symptomen äußern, manchmal jedoch auch in Form beunruhigender persönlicher Eigenschaften, starker Stimmungsschwankungen, eines schlechten Selbstwertgefühls oder durch Schwierigkeiten auf der Arbeit und/oder in Liebesbeziehungen. Da diese Kräfte im Unbewussten wirken, verschaffen der Rat von Freunden und Familie, die Lektüre von Selbsthilferatgebern oder auch die größten Willensanstrengungen keine Erleichterung.


Die Psychoanalyse als Behandlungsmethode basiert auf dem Konzept von diesen unbewussten psychischen Prozessen, das ursprünglich von Sigmund Freud stammt und danach von zahlreichen erfahrenen Psychoanalytikern weiterentwickelt wurde.


Eine psychoanalytische Behandlung kann aufdecken, wie diese unbewussten Kräfte gegenwärtige Beziehungen und Verhaltensweisen beeinflussen, und die Kräfte zurück zu ihren historischen Anfängen führen. Es kann aufgezeigt werden, wie sie sich über die Zeit hinweg verändert und weiterentwickelt haben, und dem Patienten dabei geholfen werden, wie er besser mit der Wirklichkeit seines Erwachsenenlebens zurechtkommen kann.

Im Verlauf einer intensiven psychoanalytischen Behandlung entsteht automatisch eine Beziehung zwischen dem Analysanden und dem Analytiker. Diese Beziehung spiegelt wesentliche Merkmale wider, die von der „inneren Welt” des Analysanden abgeleitet sind und im Folgenden zur weiteren gemeinsamen Erfahrung und Entdeckungsreise für den Analysanden und Analytiker benutzt werden. Es wird so ermöglicht, viele dieser Aspekte tiefgreifender zu verstehen und darauf hinzuarbeiten, bedeutsame Veränderungen zu erreichen.


Man muss nicht das Gefühl haben, eine „Behandlung” zu brauchen um von einer psychoanalytischen Erkundung der eigenen „inneren Welt” zu profitieren und Wege zu finden, um mit unserer Umgebung zurechtzukommen. Das Verlangen, „sich selbst besser kennenzulernen” und – vielleicht – in der Welt besser zu funktionieren, mag als Motivation ausreichen um sich auf die psychoanalytische Erforschung mit einem ausgebildeten Psychoanalytiker einzulassen.


Die intensivste Form psychoanalytischer Behandlung ist die Psychoanalyse selbst. Sie beinhaltet je nach Land und psychoanalytischer Kultur regelmäßige „Sitzungen” von 45 oder 50 Minuten Dauer , drei bis fünf Mal pro Woche über einige Jahre hinweg.


Eine psychoanalytische Psychotherapie dagegen erfordert im Normalfall, aber nicht gezwungenermaßen, weniger Sitzungen pro Woche. Einige Patienten beginnen mit einer Sitzung pro Woche, sehen mit der Zeit die Notwendigkeit für häufigere Sitzungen und erhöhen folglich die Anzahl der Sitzungen pro Woche.


Bei einer psychoanalytischen Behandlung gehen sowohl der Patient als auch der Analytiker eine Verpflichtung ein.

Dies schließt gegebenenfalls die Zahlungsverpflichtung für nicht eingehaltene Sitzungen mit ein.


Die Psychoanalyse kann im Bereich psychoanalytisch begründeter Therapien angewandt werden, die als Einzel-, Gruppen-, Familien- oder eventuell auch organisationsinterne Therapien stattfinden.


Eine weitere, leicht unterschiedliche Definition der Psychoanalyse kann auf der Webseite der Pariser

Psychoanalytischen Gesellschaft gefunden werden. Um diesen Text (auf Französisch oder Englisch) zu lesen, klicken Sie bitte hier.



Wer darf sich als Psychoanalytiker bezeichnen?

Alle Mitglieder der IPV sind Psychoanalytiker, jedoch unterscheidet sich die gängige rechtliche Definition dessen, wer sich als Psychoanalytiker bezeichnen darf, von Land zu Land, manchmal sogar innerhalb der verschiedenen Regionen eines Landes. Somit kann sich an einigen Orten jeder, sogar eine nicht ausgebildete Person, dementsprechend betiteln. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Qualifikation eines praktizierenden Psychoanalytikers zu kennen, bevor mit der Behandlung begonnen wird.


Graduierte Psychoanalytiker, die von der IPV ausgebildet wurden, mussten eine sehr strenge und umfassende klinische Ausbildung durchlaufen. Kandidaten, die zur Ausbildung an einem offiziellen psychoanalytischen Institut zugelassen werden, müssen hohe ethische, psychologische und professionelle Standards erfüllen. Die Kandidaten sind entweder Mediziner mit einer abgeschlossenen Facharztausbildung in Psychiatrie oder auch Psychologen oder Sozialarbeiter mit einem Doktortitel auf ihrem jeweiligen Gebiet beziehungsweise mit einem klinischen Master-Abschluss in einem Bereich der psychischen Gesundheit, in welchem solch ein Abschluss normalerweise als höchster klinischer Abschluss anerkannt ist. Alle Kandidaten müssen bereits über umfangreiche klinische Erfahrung verfügen.



Über welche Qualifikationen und Erfahrung wird mein Psychoanalytiker verfügen?

Wir empfehlen, mit einem Analytiker zu arbeiten, der ein IPV-Mitglied ist. Als Absolvent einer psychoanalytischen Gesellschaft oder Vereinigung der IPV ist Ihr Psychoanalytiker einer Ausbildungs-, Behandlungs-, Wissenschafts- und Forschungstradition verbunden, welche weltweit anerkannte, anspruchsvolle Standards erfüllt. Sie können sich demzufolge sicher sein, den höchsten Standard moderner professioneller Psychoanalyse nach Freudscher Tradition zu erhalten.


IPV-Absolventen sind Graduierte einer unserer Teilorganisationen aus über 30 Ländern, welche zusammen die IPV bilden.



Wie unterscheidet sich die Psychoanalyse von anderen Behandlungsmethoden psychischer Krankheiten?

Folgende Attribute helfen dabei, diese Behandlung von anderen Formen der Psychotherapie zu unterscheiden:


* Die Psychoanalyse ist keine kurzzeitige Behandlung, doch die Resultate dauern häufig lange an und haben positive Effekte, die normalerweise in den Jahren nach Vollendung der Behandlung realisiert werden.
* Die Patienten liegen oft auf der Couch, was das Denken, die emotionale Erfahrung und Selbstreflexion begünstigt und für eine vertraute Stimmung und Verbundenheit gleichermaßen sorgt.
* Die Psychoanalyse erzielt ihre Wirkung durch das Zusammenspiel von der Kraft der Selbsterkenntnis mit einer unterstützenden therapeutischen Beziehung.
* Patienten werden zu häufigen Sitzungen unter der Woche ermutigt. Dies erlaubt die Kontinuität und intensive Fokussierung und dient nicht als Maßstab für das Ausmaß des zu kurierenden Problems. Psychoanalytiker sind speziell ausgebildet um auf intensive und hingebungsvolle Art und Weise mit jedem Patienten in einer engen Partnerschaft zu arbeiten. Viel Erfahrung und Forschungsarbeit haben bestätigt, dass dies der beste Weg ist um Patienten dabei zu helfen sich auf bedeutsame Art und Weise weiterzuentwickeln und zu verändern.



Welchem Ethikkodex haben sich IPV-Psychoanalytiker bei ihrer Arbeit verschrieben?

Als Mitglied einer IPV-Teilorganisation und der IPV selbst richtet sich Ihr Analytiker nach einem strikten Ethikkodex sowohl nach nationalem als auch internationalem Standard. Um diesen Kodex zu sehen, klicken Sie bitte hier.


Es kann sein, dass Ihr Analytiker neben seiner Qualifikation als praktizierender Psychoanalytiker zudem Mitglied einer anderen Disziplin des Gesundheitswesens, einer Berufsorganisation oder einer Bildungseinrichtung ist.



Wie kann ich einen IPV-Psychoanalytiker finden?

Um einen Psychoanalytiker zu finden, können Sie die Suchfunktion auf der Startseite unserer Webseite nutzen.

Die IPV sieht davon ab, individuelle Analytiker zu empfehlen. Scheuen Sie sich aber dennoch nicht, eine örtliche Teilorganisation zu kontaktieren um einen passenden Analytiker zu finden. Einige dieser Analytiker können die Analyse auch in einer Sprache durchführen, die nicht die Hauptsprache der Teilorganisation ist.



Wie kann ich herausfinden, ob ein Analytiker ein IPV-Mitglied ist?

Sie können die Suchfunktion auf der Startseite unserer Webseite benutzen, indem Sie dort den vollständigen Namen des Analytikers eingeben. Wenn er/sie mit Name und Adresse aufgeführt wird, ist er/sie ein IPV-Mitglied.

Alternativ können Sie gerne der IPV den vollständigen Namen des Analytikers per E-Mail schicken und das IPV-Mitgliederservice-Team wird sich darauf bei Ihnen melden.




Was waren die Anfänge der IPV?

Im Jahr 1902 lud Sigmund Freud vier Männer (Stekel, Adler, Kahane und Reitler) ein, um mit ihnen seine Arbeit zu diskutieren, und sie bildeten die von ihnen so genannte Psychologische Mittwochsgesellschaft, da sie sich wöchentlich an diesem Tag trafen.1908 gab es bereits 14 Mitglieder und die Mittwochsgesellschaft wurde in Wiener Psychoanalytische Vereinigung umbenannt. In diesem Jahr stieß auch Ferenczi dazu. Zusätzlich zu den Mitgliedern gab es oft weitere Gäste. Einige unter ihnen sollten in der Zukunft große Bedeutung für die Psychoanalyse erlangen, so z.B. Eitingon, Jung, Abraham und Jones, alle von ihnen spätere Präsidenten der IPV.

1907 besuchte Jones Jung in Zürich und schlug Jung ein internationales Treffen vor, das Kollegen von verschiedenen Kontinenten zusammenführen sollte um ihr gemeinsames Interesse der Psychoanalyse zu besprechen. Freud begrüßte den Vorschlag und wählte Salzburg als Treffpunkt, da er die Stadt als den besten Ort für dieses Treffen hielt. Jung nannte das Treffen den „Ersten Kongress für Freudsche Psychologie”. Dieses allererste, sehr informelle Treffen wird nun als der erste Internationale Psychoanalytische Kongress betrachtet, obwohl die Internationale Vereinigung zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegründet worden war.


Während dieses Treffens am 27. April 1908 in Salzburg besprach man die Idee einer internationalen Vereinigung und einigte sich im Folgenden auf deren Gründung. Der nächste Kongress wurde im März 1910 in Nürnberg abgehalten, und bei diesem Kongress kam es nun zur tatsächlichen Gründung der Internationalen Vereinigung.

Sigmund Freud war der Meinung, eine internationale Organisation sei unverzichtbar um sein Gedankengut und seine Ideen weiterzuentwickeln und zu schützen.


Heute ist die IPV weltweit die primäre psychoanalytische Akkreditierungs- und Regulierungseinrichtung. Sie hat Mitglieder in über fünfzig Ländern, die meisten von ihnen in Europa, Nord- und Lateinamerika.



Was kann mir die Psychoanalyse bieten?

Während psychoanalytische Theorien von großem Wert sind um die „menschliche Natur” selbst und ihre kulturellen Produkte in den Bereichen Literatur, Theater und – in besonderem Maße – Kino zu verstehen, sind sie vor allem auch für Menschen, die sich wegen ihrer eigenen beunruhigenden Gedanken und Verhaltensweisen sorgen, unbezahlbar.


Von großem Nutzen kann eine psychoanalytische Behandlung vor allem für Menschen sein, die hochgradig und chronisch ängstlich oder depressiv sind, für Menschen, die Probleme haben, Beziehungen jeglicher Art einzugehen, oder auch für Menschen, die eine unerklärliche Leere in ihrem Leben fühlen.


Die Psychoanalyse nimmt in der modernen Welt einen sehr komplizierten Platz ein. Sie kann extrem dabei behilflich sein, das eigene „Ich” zu verstehen und zu lernen, wie der eigene Verstand funktioniert – und genauso gut dabei, zu verstehen, wie der Verstand anderer Leute arbeitet!

Dennoch führt sie uns zwangsläufig auf meist ziemlich bedrohliches und unliebsames Terrain.


Als die Psychoanalyse in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts von Sigmund Freud als Behandlungsmethode entdeckt wurde, verstand dieser schnell, dass seine durch die klinische Arbeit mit Patienten erlangten Erkenntnisse „die Welt verstören” würden. Diese Befürchtung bewahrheitete sich, sodass heutzutage lediglich die Erwähnung des Begriffs “Psychoanalyse” bei vielen Menschen eine ablehnende Haltung hervorruft.


Dessen ungeachtet werden diejenigen reichlich belohnt, welche den Mut haben, sich auf die Psychoanalyse einzulassen, sei es als Patienten oder als Studenten des menschlichen Verstands.


Die Psychoanalyse taucht gemäß ihres Charakters in die Welt des unbewussten Geistes ein. Sie funktioniert auf der Grundlage, dass unsere frühen Erfahrungen, welcher Natur auch immer, uns stark dabei beeinflussen, wie unser Verstand sich entwickelt und wie wir mit anderen Menschen interagieren.


Viele bedeutsame Psychoanalytiker haben zu unserem Verständnis der mentalen Entwicklung und der Funktionsweise unserer Denkvorgänge – insbesondere der sogenannten Abwehrmechanismen – und damit, wie diese uns im Umgang mit unserer Umwelt helfen können, beigetragen. Immer noch wird die „Psychoanalyse” fast automatisch mit Freud gleichgesetzt. Auf diese Weise werden jedoch die vielseitigen Fortschritte in Theorie und Technik außer Acht gelassen, die aus psychoanalytisch-therapeutischer Arbeit und Forschung in den letzten hundert Jahren resultierten.


Psychoanalytiker haben auch mit hochgradig gestörten Patienten gearbeitet, die von vielen Psychiatern als „psychotisch”bezeichnet werden würden. Wenn jedoch sowohl der Patient selbst als auch der Psychoanalytiker die nötige Motivation und Courage aufbringen, können gute Resultate erreicht werden. Heutzutage werden manchmal Medikamente zur Unterstützung der psychoanalytischen Behandlung benutzt, auch wenn stark auf den Teil der Behandlung vertraut wird, der auf der Beziehung mit dem Analytiker beruht.


Weitere Informationen über die Psychoanalyse und ihren Nutzen können auf anderen „Seiten” dieser Webseite gefunden werden.



Ist die Psychoanalyse für Kinder geeignet?

Einige Psychoanalytiker spezialisieren sich auf die Analyse von Kindern. Die Kinderpsychoanalyse, ein Nebenzweig der Erwachsenenpsychoanalyse, teilt mit Letzterer ein gemeinsames theoretisches Rahmenkonzept, bedient sich jedoch zusätzlicher Techniken und Maßnahmen um den speziellen Fähigkeiten und Verletzlichkeiten von Kindern gerecht zu werden. So wird der junge Patient beispielsweise nicht nur durch Worte, sondern auch durch Zeichnungen und Fantasiespiele dabei unterstützt, seine oder ihre geheimsten Gefühle und Ängste preiszugeben. Mit der Ausnahme von älteren Jugendlichen werden die Eltern gewöhnlicherweise bei der Behandlung aller Kinder konsultiert um das Bild vom Leben des Kindes abzurunden. Ziel der Kinder- und Jugendpsychoanalyse ist es, Symptome und psychologische Blockaden zu entfernen, die einer normalen Entwicklung hinderlich sind.



Was wird mich beziehungsweise mein Kind bei einer Therapie erwarten?

Die Analyse ist eine Partnerschaft zwischen dem Patienten und dem Analytiker, in deren Verlauf der Patient sich der unterschwelligen Ursachen seiner Schwierigkeiten bewusst wird - nicht nur intellektuell, sondern auch emotional -, indem er diese zusammen mit dem Analytiker erneut durchlebt. Normalerweise kommt der Patient vier bis fünf Mal pro Woche, legt sich auf die Couch und versucht, all das zu erzählen, was ihm in den Kopf kommt.

Diese Situation, „das analytische Setting” genannt, lässt Aspekte des Geistes zum Vorschein kommen, die mit anderen Beobachtungsmethoden nicht zugänglich sind.


Während der Patient spricht, zeigen sich nach und nach Hinweise auf die unbewussten Ursachen gegenwärtiger Schwierigkeiten, sei es in bestimmten repetitiven Verhaltensmustern, in Themenbereichen, über die zu reden es dem Patienten schwer fällt, oder auch in der Art und Weise, wie der Patient dem Analytiker von etwas erzählt.

Der Analytiker hilft, diese Schwierigkeiten für den Patienten sichtbar zu machen, während Letzterer weitere Gedanken und Gefühle präzisiert, korrigiert, zurückweist und hinzufügt. Während der Monate oder Jahre, in denen die Analyse stattfindet, ringt der Patient mit diesen Erkenntnissen, spricht sie immer wieder mit dem Analytiker durch und durchlebt sie im Alltag, in Fantasien und Träumen. Patient und Analytiker bemühen sich gemeinsam nicht nur darum, Lebensgewohnheiten zu ändern und hinderliche Symptome zu vermeiden, sondern auch um einen ausgedehnteren Freiraum des Arbeitens und Liebens. Eines Tages schließlich ändert sich das Leben des Patienten – seine Verhaltensweisen, Beziehungen und Selbstwahrnehmung – tiefgründig und anhaltend.



Kinderpsychotherapie

Ursprünglich begann die Psychoanalyse als Behandlungsmethode von psychologischen Problemen bei Erwachsenen durch die sogenannte „Redekur”. Sehr bald begannen jedoch zwei führende Psychoanalytiker dieser Zeit, zufälligerweise zwei Frauen, den Versuch, kleine Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten zeigten, mit einer Spieltherapie zu behandeln. Dabei fanden sie heraus, dass sich Kinder – im Gegensatz zu Erwachsenen, die dies mittels Wörter tun können - durch die Art und Weise ausdrücken, wie sie in Anwesenheit ihres analytischen Therapeuten spielen.

Heutzutage schlagen Kinderpsychoanalytiker und psychoanalytisch ausgerichtete Kinderpsychotherapeuten dagegen generell unterschiedliche Karrierewege ein: Sie sind speziell darin ausgebildet, um die Probleme von Kindern zu beurteilen und zu behandeln.


Eltern oder auch Verwandte, Lehrer, Nachbarn oder Freunde, die sich Sorgen machen, wenn ein Kind Anzeichen zeigt, die ernsthafte Schwierigkeiten vermuten lassen, sollten sich zur Einschätzung des Kindes an einen gut ausgebildeten Fachmann wenden. Dieser wird dann eventuell die Überweisung an einen Kinderanalytiker empfehlen.


Viele Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel übertriebene Aggressionen, Panikattacken oder Angststörungen, unangemessenes Sexualverhalten, depressionsähnliche Symptome, Phobien, die Verweigerung von Schulbesuchen, Ess-Störungen und vieles andere mehr kann mit psychoanalytischen Methoden behandelt werden.


Sollte mit der Unterstützung der Eltern und eventuell vorhandener Geschwister nach angemessener Begutachtung des Kindes eine psychoanalytische Behandlung empfohlen werden, müssen die Eltern es unterstützen, dass das Kind den Therapeuten für Sitzungen aufsucht, und dies eventuell auch einige Male pro Woche. Die Sitzungen werden darin bestehen, dass mit dem Kind in einem entsprechend eingerichteten Spielzimmer gespielt wird.

Etwas ältere Kinder und Jugendliche dagegen können möglicherweise eine modifizierte Form der Gesprächstherapie machen ohne sich zu sehr auf das Spielen selbst zu stützen.


Ältere Kinder und Jugendliche können eventuell an einer Krankheitsform leiden, bei der Erwachsene die Diagnose „Depression” gestellt bekommen. Dies hat zur Folge, dass sie tatsächlich äußerst depressiv und suizidgefährdet sein können. Für diese Kinder und Jugendliche ist es extrem wichtig, die Möglichkeit zu bekommen, dass jemand ihrem Leiden zuhört und hoffentlich deren Ursachen versteht.


Psychoanalytisch ausgebildete Therapeuten sind speziell darin geschult, ihren jungen Patienten zuzuhören und herauszuhören, was sich hinter dem gestörten Verhalten verbirgt.


Findet man für Hilfe benötigende Kinder oder Jugendliche, die gewöhnlicherweise kaum selbst in der Lage sind, sich Hilfe zu suchen, eine passende Therapie, kann dies viele Jahre psychischer Belastung abwenden und sich eventuell sogar als lebensrettend herausstellen.



Wo kann ich eine Beschwerde über meinen Analytiker vorbringen oder mich anderweitig zu der Behandlung äußern?

Sollten Sie sich über die Behandlung, die Sie oder Ihr Kind von einem IPV-Analytiker bekommen haben, beschweren oder sich dazu äußern wollen, sollten Sie zuerst die IPV-Teilorganisation kontaktieren, bei der er/sie Mitglied ist. Falls benötigt, kann die IPV Ihnen den Namen der Teilorganisation sowie deren Kontaktdaten mitteilen.



Welche Kosten kommen bei einer psychoanalytischen Behandlung auf mich zu?

Die IPV stellt keine Regeln für Behandlungspreise auf, und bei den Honoraren der Psychoanalytiker gibt es eine große Preisspanne. Kann sich jemand Privathonorare nicht leisten, wird von einigen Instituten eine Behandlung zu niedrigeren Kosten angeboten. Psychoanalytiker, die sich noch in Ausbildung befinden (Mediziner, Psychologen oder auch Sozialarbeiter, die bereits Erfahrung als Therapeuten haben) passen ihre Preise oft den finanziellen Gegebenheiten der Patienten an. Des Weiteren bieten viele bereits ausgebildete Analytiker ihre Dienste auch zu reduzierten Honoraren an, da sie sich der Psychoanalyse und der gemeinnützigen Arbeit verpflichtet fühlen.



Was ist das Ergebnis einer psychoanalytischen Behandlung?

Lassen Sie uns mit einer Zusammenfassung des gegenwärtigen Wissens über den Erfolg psychoanalytischer Behandlungen beginnen. Im Folgenden wird dann erklärt, wie dieses Wissen zustande kam.



Was wissen wir heute?

Fasst man die vielen durchgeführten Studien über verschiedene Behandlungsmethoden zusammen und vergleicht diese, kann nun festgestellt werden, dass psychoanalytische Behandlungen mindestens genauso gut, oft sogar noch besser, als andere Behandlungsmethoden abschneiden um Behandlungsziele zu erreichen UND aufrechtzuerhalten. Zusätzlich zeigten die Studien auf, dass weitere Verbesserungen selbst noch lange nach Ende der Behandlung auftreten.


Psychoanalytische Behandlungen wurden in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig mit anderen Behandlungsmethoden „verglichen”. Andere Behandlungsformen sind generell kürzere, „fokussiertere” Gesprächstherapien (z.B. die kognitive Verhaltenstherapie [CBT], dialektische Verhaltenstherapie [DBT] und interpersonelle Verhaltenstherapie [IPT]) und die Medikation mit Antidepressiva oder starken und leichten Sedativa bei Angstzuständen.


Die Frage nach dem Erfolg der psychoanalytischen Behandlung ist für jeden, der diese Behandlung in Betracht zieht, berechtigt, da bei einer Behandlung ein erheblicher Zeit- und oft auch finanzieller Aufwand entsteht.

Früher konnte man oft nur den Analytiker oder psychoanalytischen Therapeuten selbst fragen. Selbstverständlich hatten diese Kliniker Vertrauen in ihre Arbeit – warum auch nicht, wo das psychoanalytische Ideengut genau das Konzept war, das ihr Verständnis von den entsprechenden Krankheiten leitete?


Bedauerlicherweise gab es in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche Kontroverse über den Erfolg psychoanalytischer Behandlungen. Dies geschah aus zweierlei Gründen: Erstens gestaltet es sich als schwierig, Studien in einem Bereich auszuführen, der in erster Linie eine private und vertrauliche Therapieform benötigt. Zweitens existiert eine gewisse Ablehnung von Konzepten und Theorien, die darüber Auskunft geben, wie psychoanalytische Behandlungen durchgeführt werden. Zusätzlich stieg in den vergangenen Jahrzehnten die Anzahl der Fälle, in denen Medikamente gegen Angststörungen und Depressionen sowie gegen obsessive Zwangsstörungen verschrieben wurden. Dies offerierte bei der Behandlung vielen Krankheiten „verkürzte” und weniger stark eingreifende Methoden.


Wie es auch in vielen anderen Bereichen dieser Webseite erklärt wird, richtet sich bei einer psychoanalytischen Behandlung die Aufmerksamkeit auf die Weiterentwicklung der Beziehung zwischen dem Analytiker und dem Patienten während der nicht unerheblichen Zeitspanne, die es dauert, um die entsprechenden Probleme aufzudecken. In jüngeren Jahren erarbeiteten einige Forschungsgruppen immer besser ausgereifte Studien über die Erfolgschance von Behandlungen. Diese widerlegten bis zu einem bestimmten Grad viele Kritikpunkte früherer Studien und zerstreuten gleichzeitig den (ehemaligen) Einwand vieler selbst praktizierender Analytiker, dass Forschungsmethoden einen Eingriff in den privaten Therapieraum darstellen könnten. [Sie können sich sicher sein, dass jegliche psychoanalytische Behandlung absolut vertraulich sein wird.]


Zudem ermöglichten moderne statistische Methoden, dass stichhaltigere Vergleiche zwischen diversen Studien über den Erfolg verschiedener Behandlungsmethoden gemacht werden konnten.


Zusammengefasst bedeutet dies, dass Sie, wenn Sie eine langfristige, intensive psychoanalytische Behandlung mit einem qualifizierten, psychoanalytisch ausgebildeten Kliniker eingehen, eine sehr gute Chance haben, genau die Linderung Ihrer Probleme zu erreichen, welche Sie ursprünglich zum Beginn der Behandlung bewegt haben. Dies wird jedoch Zeit und Engagement Ihrerseits sowohl Ihres Therapeuten erfordern.



Vielen Dank an die Amerikanische Psychoanalytische Vereinigung (
http://www.apsa.org/)  für die Erlaubnis zur Benutzung ihrer „Facts about ApsaA and Psychoanalysis” als Muster für einige der FAQs. „Was waren die Anfänge der IPV?” wurde nach einem Artikel von William H. Gillespie adaptiert.