Antrittsrede des IPV-Präsidenten Stefano Bolognini und der Vize-Präsidentin Alexandra Billinghurst

Diese Rede wurde auf dem IPV-Kongress in Prag im August 2013 gehalten.




 Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Ich kann mir vorstellen, dass sich einige von Ihnen dafür interessieren, wer wir, die neue Führungsspitze, sind, und wie unsere Zukunftspläne für die IPV aussehen. Deshalb sind wir heute hier.



An erster Stelle möchte ich jedoch diese Gelegenheit nutzen, um mich bei unseren tschechischen Kollegen zu bedanken, die uns in dieser wunderschönen „mitteleuropäischen“ Stadt willkommen geheißen haben. Diese Stadt ist wundersamerweise erstaunlich gut erhalten, trotz aller Kriege und Diktaturen (ganz ähnlich wie die Psychoanalyse...), und ermöglicht es uns so, die Atmosphäre unsere Anfänge wiederzuentdecken.



Es war hier ganz in der Nähe, in Pribor, wo Freud geboren wurde, und von hier aus möchten wir nun, 157 Jahre später, erneut in die Zukunft aufbrechen.



Auch wenn diese Rede Teil des traditionellen Protokolls für derartige Anlässe ist, möchte ich die Chance ergreifen und Ihnen meine Dankbarbeit aussprechen. Ich bin tief bewegt und fühle mich geehrt, dieses Amt ausüben zu dürfen, natürlich zusammen mit Alexandra Billinghurst als Vize-Präsidentin, Juan Carlos Weissmann als Schatzmeister und allen anderen IPV-Vorstandsmitgliedern.



Ich möchte mich im Namen aller für das Vertrauen bedanken, das Sie in uns gesetzt haben, und Ihnen versichern, dass wir mit größtem Einsatz daran arbeiten werden, die Psychoanalyse und die IPV weiterzuentwickeln. Die IPV ist eine großartige Vereinigung, die uns bereits über ein Jahrhundert lang unter so vielen Gesichtspunkten vereint hat: historisch, wissenschaftlich, in der Lehre, professionell, organisatorisch und identitätsstiftend.



Wir fühlen uns den Werten all jener Funktionäre, die uns vorausgegangen sind, verbunden und wir werden unsere analytische Leidenschaft und unsere Liebe für diese „gemeinsame Heimat“ mit dem Verantwortungsbewusstsein verbinden, das benötigt ist, um eine so große, gut strukturierte und angesehene Institution zu führen.



Da wir heute nur begrenzt Zeit zur Verfügung haben und dies eine extrem wertvolle Gelegenheit darstellt um Ihnen allen unsere grundsätzlichen Visionen, Motivationen und zumindest einige Details unserer Zukunftspläne persönlich aufzuzeigen, möchte ich jetzt gleich zum Punkt kommen und Ihnen einige grundlegende Aspekte erläutern.



EIN ALLGEMEINER ÜBERBLICK



Wir leben in einer Zeit, die sich grundsätzlich von vergangenen Zeiten unterscheidet. Sie ist von einer hohen Geschwindigkeit in den Bereichen Information und Kommunikation geprägt, was die Art und Weise unseres Miteinanders vollständig transformiert hat.



In einigen wenigen Jahren kam es zu radikalen Veränderungen, sei es im politischen Bereich, im Bildungssystem, in der Geschwindigkeit des Alltags, im Sexualleben, bei den Regeln des Zusammenlebens und der Trennung von Paaren, Familien und Arbeitsgruppen. Ebenso traten Veränderungen in den von verschiedenen Gemeinschaften geteilten Werten auf, im Bereich neuer sozialer Charakterisierungen und Multi-Stratifizierungen sowie bei den immer stärker diversifizierten und dynamisch interaktiven kulturellen und ethnischen Identitäten.



Es ist sicherlich kein Zufall, dass wir beschlossen, den nächsten IPV-Kongress, der 2015 in Boston stattfinden wird, unter dem Titel „Die Welt im Wandel. Form und Nutzen von Psychoanalyse heute“ laufen zu lassen.



Denn auch wenn die heutige Zeit außergewöhnliche, positive Möglichkeiten bietet, werden wir dennoch unabstreitbaren Risiken ausgesetzt, die sich in der Form von Identitätsverwirrungen, einem Verlust des Realitätssinns und in daraus resultierenden Ungleichgewichten oder reaktivem, defensiven Verschanzen äußern. Es ist eine Zeit, in der es in den Industrieländern weniger Kriege gibt, dafür jedoch eine chronisch gewordene, um sich greifende und weitreichende Zerstörungskraft, die mit Drogen, Terrorismus und legalisierten, kommerzialisierten Perversionen verknüpft ist.



Angriffe auf das Gedankengut haben neue Formen angenommen, die raffinierter sind als die generisch repressiven Angriffe, die in der Vergangenheit vorherrschten.



Das Kräfteverhältnis zwischen dem Über-Ich und den anderen Kräften scheint sowohl im sozialen als auch im intrapsychischen Bereich auf neue Ungleichgewichte zu treffen, die sich von jenen unterscheiden, die in den Anfangszeiten der Psychoanalyse entdeckt wurden. In unseren Behandlungszimmern werden uns neue Symptomatiken präsentiert, die dem Analysten einen speziellen Kenntnisstand und kontinuierliche theoretische und technische Anpassung abfordern.



Die Akzeptanz von physiologischer Abhängigkeit hat sowohl in der Analyse selbst als auch im generellen Leben abgenommen, vielleicht auch als Resultat von Abwehrmechanismen, verschiedener Investitionen und narzisstischer Organisationen in einer Welt, in der die elementaren Dinge viel früher als noch in der Vergangenheit fehlen beziehungsweise sich im Verschwinden begreifen. Hauptsächlich geschieht dies aus beruflichen Gründen hinsichtlich der anfänglichen physiologischen Fusionalität und der für Babys notwendigen Kontinuität von Beziehungen.



Die Gewähr der entsprechenden Dauer und Rhythmen heutiger Behandlungen ist bei diesen neuen Abwehrmechanismen gefährdet. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Analysten, wie es oftmals geschieht, die Behandlung mit einer geringeren Häufigkeit an Sitzungen beginnen müssen um den Patienten dann im Folgenden zu einem regelmäßigen analytischen System hinzuleiten, das ihren Bedürfnissen als auch der Methode angemessen ist.



Die Erfahrung von Omnipotenz, begünstigt von der virtuellen Sphäre und der Leichtigkeit der Fernkommunikation, eröffnet uns viele neue Perspektiven. Für Psychoanalysten werden dadurch jedoch auch neue methodologische Fragen aufgeworfen, da sie Anfragen zur Behandlung via Telefon oder Skype bekommen. Die Glaubwürdigkeit und Grenzen dieser Behandlungsweise wurden nun zum Objekt einer aufgeheizten theoretisch-klinischen Debatte.



In den Ministerialentscheidungen vieler Länder wird die Anerkennung der Validität der Psychoanalyse hinterfragt. Universitäten vergeben eine überwältigende Anzahl der Lehrposten an Vertreter des Behaviourismus. Die Konkurrenz durch professionelle psychotherapeutische Vereinigungen, die erheblich niedrigere Ausbildungs- und Berufsstandards haben als die IPV, ist allgegenwärtig und durchdringend. Dessen ungeachtet bereiten uns die positiven Ressourcen, die der Psychoanalyse und der IPV zur Verfügung stehen, das Gefühl eines guten Fundaments für uns, unsere Methoden und unsere Zukunft.



Wir werden von der Stärke des psychoanalytischen Gedankenguts gestützt: durch den Beweis der Existenz des Unbewussten, der Transferenz, der Abwehrmechanismen, des Prozesses und der Transformationen, die in Bewegung gesetzt werden, wenn zwei Personen sich regelmäßig treffen und es lernen, zusammenzuarbeiten, um Gedanken, Affekte und gegenseitigen Austausch innerhalb eines Systems kognitiver und relationaler Aufrichtigkeit zu entwickeln.



Wir werden auch durch die Erfahrung gestärkt, die bei jedem von uns in einer persönlichen analytischen Begebenheit wurzelt, die in den meisten Fällen unser Leben verändert hat.



Richtig, die Psychoanalyse hat unser Leben als Mensch verändert, und das ist etwas, das viel zu intensiv ist um in Vergessenheit zu geraten, um verleugnet zu werden oder verloren zu gehen. Wie ein neuer komplexer Instinkt veranlasst uns diese Erfahrung auf ganz natürliche Weise zuzuhören, uns einzustimmen, Resonanz und Verständnis aufzubringen, gemeinsam und interpretativ zu arbeiten, und dies von Generation zu Generation.



Dies erfolgt wie bei Eltern, die als Kinder umsorgt und aufgezogen wurden, und sich nun selbst gerne um ihre Neugeborenen sorgen und sie aufziehen.



Gestützt werden wir auch durch einen ungemeinen Reichtum an Forschung, theoretischem und klinischem Wissen, das nun schon über ein Jahrhundert lang weitergereicht wurde.



Einige vielfach wiederholte Zitate in unseren Veröffentlichungen, die sich auf das Gedankengut unseres genialen, nicht weit von hier im Jahre 1956 geborenen Genies beziehen, mögen uns vielleicht nicht dabei helfen, einen hohen Impact Factor zu erzielen – sicher jedoch belohnen sie uns mit einem „compact factor“ - Effekt, der unsere wissenschaftliche Gemeinschaft vereint - wie ein einzelner Ast, der das Laub eines gesunden und vielfach verästelten Baumes stützt, der sich aber dennoch seines Ursprungs und seiner soliden Wurzeln sicher sein kann.



Wir werden gestützt von der internationalen Natur unserer Organisation, denn sie ist einzigartig darin, außergewöhnliche Möglichkeiten für Analysten zu garantieren, was Kontakte, Debatten und die konstante Zusammenarbeit über alle Kontinente hinweg betrifft.

Zu diesem Zeitpunkt der Rede gab Stefano Bolognini das Wort an Vize-Präsidentin Alexandra Billinghurst weiter:



Beginnen möchte ich mit einer Begebenheit, die mir bei der Joseph Sandler – Konferenz im März passiert ist.



 Ich hörte gerade Bernard Reith zu, der in mitreißender Art und Weise zwei sehr gute und äußerst unterschiedliche Veröffentlichungen von Alessandra Lemma und Johannes Lehtonen diskutierte.



Er versuchte gerade mit seinem Körper auszudrücken, wie es sich für ihn anfühlte, und deutete mit seinem Körper einen Spagat an. Dann verwies er auf eine Präsentation, die Mark Solms am Vorabend gegeben hatte, und sagte „Es freute mich zu hören, dass Mark Solms sich auf „das Ding“ bezog“. In diesem Moment ertappte ich mich dabei, wie ich in Gedanken den Anfang dieses Satzes ins Spanische übersetzte. „Fue contento escuche Mark Solms..“ Ich fragte mich, warum in aller Welt ich nun ins Spanische wechselte. An dieser Stelle müssen Sie wissen, dass ich Spanisch gelernt habe, seitdem ich letzten Oktober Buenos Aires und Montevideo besucht habe. Es ist zu einer richtigen Leidenschaft von mir geworden, die mir viel Vergnügen bereitet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich schon einige Übersetzungen in meinem Kopf angefertigt, aber es war das erste Mal während der Konferenz, dass mir Spanisch in den Sinn kam. Also fragte ich mich, warum gerade jetzt. Ich dachte darüber nach, was Bernard eben gesagt und getan hatte: Er versuchte, zwei sehr verschiedene wissenschaftliche Artikel zu umreißen und uns dabei zu helfen, das Gleiche zu tun. In dem Moment also, in dem er das tut und damit eine dritte Ebene vom Vorabend mit einbringt, beschließt mein Verstand zu übersetzen. Er zeigte uns auf räumliche Art und Weise, wie es sich für ihn anfühlte, und brachte dann noch etwas Drittes mit ein, etwas Drittes, das für ihn selbst die Brücke zwischen der Theorie und der Neurowissenschaft, zwischen 1923 und 2013, hergestellt hatte. Genau in diesem Moment also beschließt mein Verstand, mir einen Grund mitzuteilen, warum das Spanischlernen so eine große Leidenschaft für mich geworden ist, zu genau diesem Zeitpunkt. Ich erkannte, dass für mich meine Leidenschaft für das Spanischlernen einen sehr konkreten Weg darstellt, mich darauf vorzubereiten, eine Brücke zwischen all den unterschiedlichen Herangehensweisen des Erlebens und Betrachtens der Psychoanalyse bei der IPV zu schlagen.



Mein Eintauchen in das Spanische bereitete mich darauf vor, hier heute bei Ihnen zu sitzen, mit Stefano neben mir. Und darauf, morgen hier in Prag mit dem neuen Vorstand gemeinsam am Tisch zu sitzen, zusammen mit Stefano am Kopfende.



Die IPV selbst ist eine sehr komplexe Organisation. Sie beherbergt 12000 Mitglieder in 63 Ländern, die auf drei Regionen verteilt sind. Die geographischen Verhältnisse der IPV wären einen eigenen Kommentar wert, aber darauf möchte ich jetzt nicht eingehen. Sie hat 70 Teilgesellschaften, sechs provisorische Gesellschaften und 19 Studiengruppen, drei Ausbildungsmodelle, viele, viele Ansichten darüber, was die Psychoanalyse überhaupt ist, viele verschiedene Kulturen und vier offizielle Sprachen. Dies allein verdeutlicht, dass die Arbeit in der IPV ein kontinuierlicher Prozess des Übersetzens und Brückenbauens ist.



Während unseres Studiums der Psychoanalyse muss jeder einzelne von uns die Theorien zu seinen eigenen machen. Wenn wir das einmal getan haben, können wir anfangen, unsere Gedanken im Dialog mit anderen zu definieren und weiterzuentwickeln. Dazu wird uns hoffentlich in der Gesellschaft, die uns ausbildet. der Raum gegeben, in einer Umgebung mit einer – bildlich gesprochen - hohen Zimmerdecke.



Wir werden von unseren Muttergesellschaften geformt und beginnen, die Psychoanalyse aus einer lokalen Perspektive zu betrachten. Falls und wenn wir zu internationalen Kongressen gehen, bekommen wir die Chance zu sehen, wie sich die Psychoanalyse in verschiedenen Regionen unterscheidet: in der Praxis, in der Theorie und bezüglich ihres Standpunktes in der Gesellschaft. Dabei können wir ebenso entdecken, was die Psychoanalyse in unterschiedlichen Ländern und über diese Ebene hinaus vereint.



Dies ist es, was die IPV so einzigartig macht. Sie kann ein wahrhaftiger Treffpunkt sein. Nicht nur ein Platz, an dem wir von den Experten unter uns lernen können, sondern ein Platz für jeden einzelnen, um sich zu treffen und Ideen auszutauschen. Gleichzeitig kann uns die bloße Größe unserer Organisation und unserer Kongresse überwältigen und uns daran hindern, andere kennenzulernen.



Wie Sie bald hören werden, wenn Stefano unsere Pläne präsentiert, möchten Stefano und ich die IPV jedoch als wahrhaftenTreffpunkt sehen.



Als Stefano mich fragte, ob ich als seine Vize-Präsidentin kandidieren möchte, kannten wir uns keinesfalls gut. Wir hatten uns lediglich gegenseitig beim EPF-Gremium in Aktion gesehen, wo wir beide in der Funktion als Präsidenten unserer Gesellschaften saßen.



Es war die Art und Weise, in der er mir seinen anvisierten Führungsstil und die Visionen beschrieb, die er für die IPV hatte, die mich dazu brachte, gemeinsam mit ihm zu kandidieren. Die zwei Jahre, die dem heutigen Tag voraus gingen, waren eine Periode des gegenseitigen Kennenlernens. Je mehr ich mit ihm zu tun hatte, desto mehr beeindruckte mich seine Bescheidenheit, sein sanfter Nachdruck und sein umfassendes Wissen.



Wir leben in einer Zeit, in der die Psychoanalyse als angegriffen betrachtet wird. Es wird auch von einer Krise der Psychoanalyse gesprochen. Und ja, die Psychoanalyse wird vielerorts in Zweifel gezogen. Dennoch glaube ich, dass wir uns dessen bewusst sein und vorsichtig dabei sein müssen, welche Worte und Metaphern wir verwenden, wenn wir über diese Situation sprechen. Benutzen wir z.B. das Wort „verteidigen“ im Sinne von „die Psychoanalyse verteidigen“, was impliziert das und welche Wirkung hat dies auf uns im Gespräch mit anderen? Für mich beinhaltet die Wahl des Wortes „verteidigen“ das Verteidigen von etwas Statischem. Benutze ich stattdessen den Ausdruck “für etwas eintreten“, erscheint in meinem Geiste ein ganz anderes Bild.



Wie andere bereits gesagt haben, möchte auch ich hervorheben, dass die bloße Tatsache, dass die Psychoanalyse in Frage gestellt wird, impliziert, dass sie als etwas bewertet wird, gegen das sich abgegrenzt werden muss. Das Infragestellen der Psychoanalyse gibt uns somit ebenso die Möglichkeit, uns genauer zu definieren und unsere eigenen Theorien weiterzuentwickeln. So ist es eine Herausforderung für uns, das psychoanalytische Denken in eine Sprache zu übersetzen, die von anderen verstanden wird, um einen Dialog zu ermöglichen. Eine unserer Aufgaben für die kommenden Jahren besteht darin sicherzustellen, dass die Psychoanalyse in der Psychiatrie wieder ein Mitspracherecht hat. Die Psychiatrie braucht uns – und meiner Meinung nach ist ein Weg, dies zu erreichen, unser Wissen in eine Sprache zu übersetzen, die verstanden werden kann. In eine Sprache, die den Dialog erneut mit denjenigen anregt, die uns hinterfragen und sich selbst durch die Ablehnung von Psychoanalyse definieren. Wenn wir mit Bedacht reflektieren, wie wir denken und sprechen, welche Metaphern wir benutzen und wenn wir selbst dazu bereit sind, unsere Perspektive zu verändern,mit der wir für die Psychoanalyse eintreten, meine ich, dass wir eine sehr gute Chance haben, dass uns zugehört wird.



Es gibt momentan einen traurigen Trend dazu, dass sich viele Gesellschaften auflösen. Dies resuliert wahrscheinlich daraus, dass man nicht in der Lage ist, Meinungsunterschiede zu überbrücken. Man findet sich in einer nicht zu überbrückenden Differenz wieder anstatt den Dialog mit anderen Strömungen zu nutzen, um sich abzugrenzen und neu zu definieren.



Ich hoffe, dass die IPV die Gesellschaften bei der Ermöglichung von Integrationsprozessen unterstützen kann um weitere Auflösungen zu vermeiden. Um sicherzustellen, dass die Gesellschaften ihre gesunde Struktur behalten und einer positiven Entwicklung offen gegenüberstehen anstatt in einem statischen Zustand zu verharren, denke ich, dass die Gesellschaften sich über ihre eigene Organisation Gedanken machen müssen. Dies jedoch erfordert Mut, genauso wie unsere Patienten Mut aufbringen müssen um sich auf die Psychoanalyse einzulassen. Ich denke, hier kann die IPV eine unterstützende Rolle spielen.



Ich habe festgestellt, dass die IPV von vielen Mitgliedern als etwas Distanziertes betrachtet wird. Sofern man nicht in der Organisation beteiligt ist oder an den Kongressen teilnimmt, fühlt sich die IPV weit weg an. Einer der Punkte, die Stefano und ich aufgreifen möchten, ist, dass die IPV für mehr Mitglieder eine Bedeutung bekommt und sich vertrauter anfühlt.



Wie ich schon erwähnt hatte, stellen wir uns die IPV als einen Treffpunkt vor. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, basiert auf den Plänen für den nächsten IPV-Kongress, der 2015 in Boston stattfindet. Dafür haben wir bereits eine wunderschöne Lokalität gefunden, die architektonisch einen wunderbaren Ort für einen Kongress darstellt, einen Ort mit von Licht durchfluteten Tagungsräumen, dessen hohe Decken Raum für Reflektion bieten. Auch planen wir, eine neue Form von kleinen Gruppendiskussionen einzuführen, was hoffentlich eine Plattform für Treffen von Mitgliedern aus aller Welt darstellen wird.



Meinen Beitrag möchte ich mit einem Gedicht beenden, das ich gerne mit Ihnen teilen würde. Damit möchte ich auch an eine Tradition meiner Muttergesellschaft und Arne Jemstedts anknüpfen, der unsere Jahresversammlungen zu seiner Zeit als Präsident immer mit einem Gedicht abgeschlossen hat.



Das Gedicht wurde von John Wipp verfasst, ursprünglich ist es auf Schwedisch.



Sie werden das Gedicht drei Mal hören, auf Schwedisch, Englisch und auf Spanisch [und ein viertes Mal auf Deutsch, Anm. d. Übers.]. In meiner Muttersprache, in meiner ersten Fremdsprache und in der Sprache, die ich momentan kennenlernen darf. Ich habe das Gedicht ins Englische übersetzt und dann noch einmal zum Spaß ins Spanische. Die spanische Version hat mein mehrsprachiger Assistent Andreas Silva noch einmal für mich überarbeitet. Ich habe die Simultandolmetscher gebeten, mit der Übersetzung zu pausieren, während ich das Gedicht vorlese, damit Sie den Klang des Schwedischen in sich aufnehmen können, aber ich werde am Ende kurz warten, um ihnen die Gelegenheit zu geben, die Übersetzung nachzuholen.



Låt mörkret inom mig,
för mig
bli synligt      


Som dammens botten   
när jag med handen
skymmer himlaljuset   


för att inte ytan    
skall spegla
himladjupet.     


Djupet
som ljusa      
spegelbilden döljer    


lever. Förvandlas    
under blanka hinnor   
som jag måste se igenom   
 



Let the darkness
within me, for me
be visible


Like the bottom of the pond
as I with my hand
screen the light from above


so as not the surface
shall mirror
the deapth of the sky


The deapth
which the light
reflection conceal


lives. Transforms
under shiny membranes
which I have to see through



Deje la oscuridad
dentro de mi, para mi
hacerse visible


Como el fondo de la charca
cuando yo con mi mano
tapo la luz del cielo


para que la superficie no
refleje
la profundidad del cielo


La profundidad
que la clara
reflexión oculta


vive. Transformándose
debajo de membranas brillantes
que mi vista tiene que atravesar

 



Lass die Dunkelheit
in mir, für mich
sichtbar werden.


Wie der Grund eines Teiches
so will ich mit meiner Hand
das Licht von oben abschirmen


damit nicht die Oberfläche
die Tiefe des Himmels
widerspiegeln soll.


Die Tiefe
verdeckt durch
die Reflektion des Lichts


lebt. Sie verändert sich
unter glänzenden Membranen
durch die ich sehen muss.


John Wipp, Blick, 1996



Und nun gebe ich das Wort zurück an Stefano.



 Die IPV, 1910 von Freud gegründet, ist das gemeinsame Zuhause von Psychoanalysten aus der ganzen Welt.



Am IPV-Hauptsitz in Broomhills geben uns hoch qualifizierte Fachleute unter der Leitung vom geschäftsführenden Direktor Paul Crake all die Unterstützung, die wir benötigen, um eine kohärente Verwaltung sicherzustellen. Dies ermöglicht uns, das Beste aus all den Kenntnissen und Talenten der IPV-Mitglieder herauszuholen.



Unser Vorstand, sowie unsere Vorgänger, möchten diesen Arbeitsgeist und die generellen Funktionen der IPV beibehalten, jedoch ohne dabei festgefahrene Strukturen zu begünstigen.



Exakt aus diesem Grund haben wir eine Anzahl an innovativen Erneuerungen und Verbesserungen ins Auge gefasst, die darauf abzielen, die Gesellschaft effizient, repräsentativ und nützlich zu gestalten. Nützlich für ihre Mitglieder, für die Gemeinschaften, die sie ansprechen möchte, und für  weitere potenzielle Zielgruppen, ebenso wie für die Institutionen, die mit der IPV eine fruchtbare Zusammenarbeit gestalten könnten.



Genauer formuliert geht es also darum, unsere Gesellschaft in einer sich verändernden Welt zu stärken.



Um diese Entwicklungen und Veränderungen geht es heute in unserer Präsentation, sodass wir Ihnen die übergreifende Vision nahebringen können, die für unsere Pläne charakteristisch ist.


Unsere Vision betrachtet die Psychoanalyse als einen lebenden Organismus, der mit seiner Außenwelt, aber auch seinem Innenleben in Verbindung stehen muss. Der den Kerngedanken des psychoanalytischen Gedankenguts intakt hält, aber dennoch Neuerungen offen gegenüber steht, die sich aus dem Fortschritt des wissenschaftlichen Wissens ergeben. Einer, der fähig ist, sich auf intelligente Art und Weise zu verändern (um ein langes Leben zu leben, sowohl im selektiv-darwinistischen als auch im genetisch transformativen neolamarckistischen Sinne).



1) Kommunikationsplan


Wir haben beschlossen, das Kommunikationssystem für unsere psychoanalytische Gemeinschaft neu zu organisieren, sowohl intern als auch extern. Wir untersuchen, wie wir uns der Außenwelt effektiver präsentieren können (eines unserer Leitmotive lautet: „Wenn das psychoanalytische Objekt sich nicht zeigt, kann das Subjekt nicht wissen, wo es zu finden ist“), und wie wir die Kommunikation zwischen unseren Mitgliedern verbessern können, was all die angebotenen und unternommenen Aktivitäten betrifft. Wir möchten eine kollektive Beteiligung erreichen, die nicht nur der Information dient, sondern auch zu einem guten Gemeinschaftsgefühl beiträgt.



Natürlich werden bei diesen Veränderungen sowohl der Bedarf an Information und Transparenz als auch die absolute Notwendigkeit für einen rechtlich korrekten Umgang und das Respektieren von Vertraulichkeitsbestimmungen, die sich von Jahr zu Jahr ändern, berücksichtigt.



Konkret zielen wir darauf ab, die Verbindungen zwischen den verschiedenen Bereichen unserer Organisation zu verbessern, indem wir beispielsweise viele der Ausschüsse vernetzen, um ein notwendiges synaptisches Netzwerk zu erhalten, welches weitreichender und effizienter ist und ein voll integriertes geistiges Leben ermöglicht.



2) Die Webseite als mentales Forum für die psychoanalytische Gemeinschaft


Die Webseite ist kein Anschlagbrett für Mitteilungen, sondern sie dient dem lebendigen Ausdruck des wissenschaftlichen, kulturellen und interaktiven Lebens einer zeitgemäßen Psychoanalyse.



Unser Wunsch ist es, Neugier, Gefallen und Interesse aufzubauen, wenn es darum geht, unsere Webseite zu besuchen. Nicht nur unter Mitgliedern, sondern unter all denjenigen, die auf der Suche nach nützlichen Informationen sind um ihren persönlichen und kulturellen Erfahrungen eine tiefgründigere Bedeutung zu geben, indem sie auf eine Vielzahl an anschaulichen und sorgfältig ausgesuchten Artikeln zugreifen können.



Für uns stellt der „öffentlich zugängliche“ Bereich der Webseite eine „komplexe Zeitschrift“ dar, in der die außerakademische Ader der Psychoanalyse präsentiert wird sowie weiteres Lesen angeregt und Kontakte initiiert werden.



Ein Teil davon wird interaktiv gestaltet sein, mit Blogs und Diskussionsforen, die ständig weiterentwickelt werden. Wir haben das Fachpersonal, die technischen Werkzeuge und die dafür benötigten Ideen, und es wäre schade, diese Ressourcen und Gelegenheit zu vergeuden.



3) Einblick in die Weiterbildung


Vergleichbar mit einem intelligenten und komplexen Organismus muss sich die Psychoanalyse kontinuierlich um die Expertise der kommenden Analystengenerationen kümmern.



Unser Ziel ist es, dass zwischen den verschiedenen Gesellschaften eine ernsthafte und offene Diskussion über ihre Ausbildung geführt wird, sodass die IPV-Mitgliedschaft nicht nur an formalen und/oder quantitativen Kriterien festgemacht wird, und dass die Erfahrungswerte und spezifischen Eigenschaften der verschiedenen psychoanalytischen Schulen besser bekannt und Teil eines gemeinsamen Wissens werden.



Ich persönlich glaube, dass eine ernsthafte, tiefgründige Debatte den Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen und einer religiösen Gemeinschaft ausmachen kann, denn während bei der einen unterschieden wird, was als wirklich notwendig anerkannt wird, geht es bei der anderen Gemeinschaft darum, was als heilig erachtet wird.



Wir müssen „das wahre Gold“ der Psychoanalyse bewahren, ohne uns in dem Gefängnis des „Schlosses“ zu verfangen, wie es Franz Kafka in seinem unvergesslichen Roman so effektvoll beschrieb.



4) Kinder und Jugendliche


Unserer Meinung nach bedarf dieses Thema besonderer Sorgfalt und einer dauerhaften Konfrontation zwischen den verschiedenen psychoanalytischen Gesellschaften.


Wir sehen dies als extrem wichtig an, sowohl für die Zukunft der Psychoanalyse als auch für die Zukunft kommender Generationen. Von der spezifischen Behandlung vieler Einzelner einmal abgesehen und trotz wiederholt aufkommender Kritik und Kontroverse in den Medien wissen wir, wie gewaltig die Psychoanalyse die zeitgenössische Kultur beeinflusst, und im Speziellen den Erziehungsstil im Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der großen Mehrheit fortschrittlicher Gesellschaften.



Zusätzlich zu all den traumatischen Situationen im Leben müssen wir viele neue „statistisch normale Abnormalitäten“ zur Kenntnis nehmen, wie das Auseinanderfallen von Familien und den systematischen Missbrauch von Fernsehen, Comics und Playstations für Unterhaltungszwecke, was bei Kindern ein Übermaß an Ersatzfantasien hervorgebracht hat, zum Nachteil ihrer kreativen und antizipativen Vorstellungskraft.



Als Analysten stehen wir bei der kollektiven Tragödie unerkannter oder fehlbehandelter mentaler Leiden in der Kindheit in der Verantwortung, mit dem Ziel, eine angemessenere Kultur, eine kompetentere Praxis und Präsenz zu schaffen, um Kindern und ihren Betreuungspersonen zu helfen.



Wir vertreten die Meinung, dass die IPV sowohl aus wissenschaftlichen als auch aus humanitären Gründen in der Pflicht steht, „ständig da zu sein“, und wir werden unsere Anstrengungen in diesem Bereich sicherlich verstärken.



5) Psychoanalyse und Psychiatrie


Wir beabsichtigen, eine nicht unerhebliche Energieleistung in die Wiederbelebung des einst lehaften Dialogs zwischen der Psychoanalyse und der Psychiatrie zu stecken.



Dieser äußerst wichtige Sektor wurde in vielen Ländern Zeuge einer paradoxen Situation: Viele Psychiater wenden sich auf persönlicher Ebene hilfesuchend an die Psychoanalyse, sowohl für sich selbst als auch für ihre Familien, und viele Psychiaterteams nutzen tatsächlich das Angebot der institutionellen Aufsicht, das von den Psychoanalysten bereitgestellt wird.



Nichtsdestotrotz stellen diese Partnerschaften aus institutioneller und ausbildungstechnischer Sicht nur einen kleinen Teil dar, denn sowohl in der Universitätslehre als auch im Öffentlichen Dienst wird die psychoanalytische Präsenz entweder ignoriert oder offen abgelehnt.



Wir haben Herrn Professor Claudio Eizirik gebeten, einen speziellen Unterausschuss für Psychoanalyse und Psychiatrie zu gründen und diesem vorzustehen. Dies soll mit der Hilfe von geschätzten Kollegen in diesem Feld geschehen. in Partnerschaft mit dem Ausschuss für Universitäten und Psychoanalyse und mit den Kollegen aus der Forschung. Wir sind zuversichtlich, dass wir die Brücke zwischen der Psychoanalyse und dem öffentlichen Bereich, der sich mit psychischen Erkrankungen befasst, wieder aufbauen können.



Es scheint absurd, dass der Entschluss zur einer psychoanalytischen Behandlung für so viele Menschen der letzte Ausweg ist. Menschen, die vom Anfang ihres Patientendaseins an erheblich von ihr hätten profitieren können, anstatt diversen Krankenhauseinweisungen und massiven, nicht immer angemessenen, Dosen an Psychopharmaka zu vertrauen.



Psychiater und Psychoanalysten können ihre spezielle Expertise anwenden um gemeinsam gegen psychische Erkrankungen zu kämpfen, denn dies ist ein Gebiet, in dem Platz für alle ist und gegenseitige Unterstützung gebraucht wird



6) Forschung: Vernetzung von IPV-Mitgliedern und Forschern


Zusammen mit dem neuen Vorstand Mark Solms disktuierten wir eine vollständige Neuorganisation des Bereichs Forschung. Die grundlegende Idee war es, die Struktur zu vereinfachen, indem eine zentrale Forschungsdirektion und darunter drei Teilbereiche gebildet wurden: konzeptionell, klinisch und außerklinisch.



Die Arbeitsmethode sollte wesentlich mehr Eigeninitiative beinhalten als es momentan der Fall ist. Dadurch sollen Bewerbungen angeregt werden, die sich nach den Prioritäten der Forschung richten anstatt darauf warten zu müssen, Bewerbungen zu erhalten, und diese dann zu beurteilen.



Folgende Punkte werden drei weitere Kernbereiche sein:



1) Ständiger Kontakt zwischen dem IPV-Vorstand und der Forschungsdirektion, auch um potenzielle Interessensgebiete oder akuten Forschungsbedarf anzuregen, der zur Entwicklung spezieller Forschungsprogramme benötigt wird


2) Regelmäßiger Informationsfluss zu den Mitgliedern bezüglich der Forschungsaktivitäten, die sie finanzieren – dies wird durch einen besonderen Forschungsbereich auf der IPV-Webseite geschehen


3) Möglichkeit zur interaktiven Kommunikation zwischen den IPV-Mitgliedern und den Forschungsteams, wiederum über die Webseite



Kurz gefasst bedeutet dies also, dass die IPV-Mitglieder regelmäßig über die Forschungsaktivitäten informiert werden, da die finanziellen Anstrengungen der IPV im Bereich Forschung mit ca. 20% des Gesamtbudgets nicht unerheblich zu Buche schlagen. Mitglieder sollen auch die Gelegenheit erhalten, ihre konstruktive Meinung zu diesen Forschungsaktivitäten äußern zu können.



7) Das „Elektronische Journal IPV/REGIONEN“


Nach vielen Jahren gleichberechtigter, fruchtbarer Zusammenarbeit mit den Trainingsinstituten des Psychoanalytischen Instituts für Osteuropa (PIEE) und des Lateinamerikanischen Psychoanalytischen Instituts (ILAP) haben die regionalen Organisationen EPF (Europäische Psychoanalytische Föderation), FEPAL (Psychoanalytische Föderation Lateinamerikas) und NAPSAC (Nordamerikanische Psychoanalytische Konföderation, mit Unterstützung der Amerikanischen Psychoanalytischen Vereinigung ApsaA) beschlossen, zusammen eine neue Verlagspartnerschaft einzugehen. Diese Interessengemeinschaft wird mehr oder weniger gleichberechtigt mit geteilter Verantwortung getragen.



Das „IPV/Regions-E-Journal“ wird eine supranationale wissenschaftliche Einrichtung sein, die weder im Besitz von einer einzelnen Gesellschaft noch von Privatleuten, sondern von den oben erwähnten Institutionen sein wird. Momentan wird dazu von einem Sonderkomitee eine Studie angefertigt. Das Komitee setzt sich aus Vertretern der einzelnen Institutionen sowie aus Technikern zusammen, die in Kürze einen Plan zur Umsetzung vorlegen werden.



Die Idee traf auf großen Zuspruch, da es paradox erschien, dass unsere Wissenschaftsgemeinschaft kein eigenes Journal hat, um sie vollständig und
objektiv zu präsentieren – und dies, obwohl eine internationale psychoanalytische Institution nun schon seit über einem Jahrhundert besteht.



Dieses neue Journal wird sich sehr von bereits existierenden, seit langem bestehenden Journals unterscheiden. Wir haben uns dazu verschrieben, die Internationalität der Redaktion zu gewährleisten. Dazu gehört auch ein Turnus der Chefredaktion und eine Richtlinie zur Repräsentation aller Länder auf allen Ebenen.



Falls wir diese komplexe neue Initiative erfolgreich starten können, und danach sieht es derzeit aus, wird es ein Unternehmen sein, auf das unsere Partnerorganisationen stolz sein können. Es wird kulturell und wissenschaftlich ausbalanciert, Beiträgen anderer Denkrichtungen aufgeschlossen, zentral unabhängig und politisch supranational sein.



8) Das Enzyklopädische IPV-Psychoanalyse-Lexikon


Als Letztes glauben wir, dass die Zeit reif dafür ist, um uns einem anderen großen wissenschaftlichen Unternehmen zu widmen: der Vorbereitung eines IPV-PSYCHOANALYSE-LEXIKONS.



Es gibt bereits viele exzellente Lexika der Psychoanalyse, aber die IPV – und derzeit unserer Meinung nach nur die IPV – besitzt die personellen Kapazitäten, das wissenschaftliche Potenzial und die kulturelle Ausdrucksfähigkeit um ein Wörterbuch zu erstellen, das in vollem Maße komplett und fortschrittlich ist und die unterschiedlichen theoretischen Trends und Denkrichtungen der Psychoanalyse wahrhaft repräsentativ darstellen kann.



Ein Werk dieser Größenordnung bedarf nicht nur umfangreicher Kenntnisse der Psychoanalyse in der Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch erheblicher redaktioneller und organisatorischer Kompetenzen. Es wird also nicht nur das Werk einiger weniger – wenn auch geschätzter – Wissenschaftler sein, sondern das einiger aufeinander abgestimmter Arbeitsgruppen.



Ziel ist es, allen Psychoanalysten und Psychotherapeuten, die psychoanalyitsch arbeiten, ein internationales und aktuelles Referenz- und Konsultationswerkzeug zur Verfügung zu stellen. Es soll höchster Qualität und ausführlich sein, um sowohl den Stamm als auch die Äste des psychoanalytischen Baumes widerzuspiegeln, wie er seit der Zeit Freuds bis zum heutigen Tag herangewachsen ist.



ZUSAMMENFASSUNG


Wenn wir alle partnerschaftlich mit unseren Kollegen aus den verschiedenen Regionalgruppen zusammen arbeiten, können all diese Ziele Realität werden.



Ich persönlich verbringe, wie wohl die meisten unter Ihnen, einen großen Teil meiner klinischen Arbeit mit Patienten, und nehme dabei Verbindung mit ihrem und meinem eigenen Seelenleben auf. Klinische Arbeit macht den wahren Kern der Analyse aus. In ihr finden wir Tiefe, wertvolle, partielle Zeitlosigkeit, das immense Potenzial der Psychoanalyse mit ihren „Geheimgängen“, die innere Türen öffnen und Genesungen, Transformationen und Integration ermöglichen, was ansonsten niemals möglich wäre.



Nun ist es schon lange her, dass ich mit Kollegen zusammen arbeite: in meiner Muttergesellschaft, in den Arbeitsgruppen und im IPV-Vorstand. Wie viele von Ihnen habe ich einen substanziellen Teil meiner Energie in die psychoanalytische Gemeinschaft gesteckt.



Jeder unter uns schöpft Inspiration und Stärke, ob bewusst oder nicht, aus unserer persönlichen „Urszene“, dem Szenario unseres Ursprungs. Jeder von uns hat sein eigenes Pribor, das wir erreichen können (wenn alles glatt genug für uns läuft und Kafkas Schloss uns nicht gefangen nimmt), unsere eigene Berggasse, unsere eigene Gesellschaft und schließlich auch die Internationale Vereinigung.



Der Mittelpunkt meiner Ursprungswelt befand sich in einer großen Küche eines alten Hauses in den Hügeln in der Nähe von Bologna. Dort versammelten sich jeden Abend meine Eltern, Großeltern, Onkeln, Tanten, Cousins, Cousinen und Geschwister unter einem Eichenarchitrav aus dem fünfzehnten Jahrhundert.



Mein heutiges Leben verleugnet diesen Ursprung nicht, im Gegenteil, es erweckt ihn wieder zum Leben, hier in dieser großartigen wissenschaftlichen und professionellen Gemeinschaft, die auch daran arbeitetet, die alten Abspaltungserfahrungen und weitere Entwicklungen zu integrieren, die wir erst in der Schule, dann in der Universität, in Spezialistenkrankenhäusern, Seminaren und Konferenzen erfahren haben.



Mein Eichenarchitrav ist heute die Psychoanalyse: Unter ihr sind die vielen Sprachen und Kulturen eine unerschöpfliche Quelle an Ressourcen. Wir werden zusammen daran arbeiten, dass die IPV tatsächlich ein Zuhause für alle Psychoanalysten wird – in der äußeren Realität, aber ganz besonders auch in der inneren.