Kandidaten für Europa – Offizielle Positionserklärungen und Blogs

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Diese Erklärungen sind auch verfügbar auf FRANZÖSISCH, SPANISCH and ENGLISCH



Marilia Aisenstein           Blog            (Paris Psychoanalytical Society)
Giovanna Ambrosio           Blog           (Italian Psychoanalytical Association)
Nicolas de Coulon             Blog           (Swiss Society of Psychoanalysis)
Shmuel Erlich           Blog           (Israel Psychoanalytic Society)
Anna Nicolò            Blog           (Italian Psychoanalytical Society)
Bent Rosenbaum             Blog           (Danish Psychoanalytical Society) 
Franz Wellendorf           Blog           (German Psychoanalytical Society) 



Europäische Kandidaten für das Repräsentantenamt (in alphabetischer Reihenfolge)


 

Im Falle meiner Wahl wäre die kommende Amtszeit meine zweite und letzte: Nachdem ich in der Pariser Psychoanalytischen Gesellschaft und in der IPV in zahlreichen Ämtern tätig war, wurde ich für die Amtszeit 2003-2007 zur Europäischen Repräsentantin in den IPV-Beirat und ins IPV-Exekutivkomitee gewählt. Danach wurde ich zur Vorsitzenden des Komitees für Internationale Neue Gruppen gewählt und hatte dieses Amt bis August 2009 inne. 2011 wurde ich als Europäische Repräsentantin erneut in den Beirat gewählt.

Meine fast zehnjährige Erfahrung mit der Arbeit des Beirats hat mich in meiner Überzeugung von der Wichtigkeit dieser Aufgabe weiter bestärkt. Die grundlegende, eigentliche Funktion der IPV besteht darin, die Ethik und die Vermittlung der Psychoanalyse an die Mitglieder und Gesellschaften aller drei Regionen zu garantieren.

Der Auftrag der IPV ist meiner Ansicht nach ein von Grund auf interregionaler. Ich bin überzeugt, dass eine Administration, die die einzelnen Regionen stärker gewichtet, ein Risiko darstellt und unseren wissenschaftlichen Austausch langfristig einschränkt.

Ich halte es für wichtig, unterschiedliche Modelle und theoretische Bezugsrahmen, denen die individuelle Lektüre und Interpretation des Freud’schen Theoriekorpus zugrunde liegt, miteinander zu vergleichen.

Meiner Meinung nach ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir weiterhin in diesem Pluralismus denken und ihn realisieren, ohne jedoch Konzessionen an die für unsere Disziplin unverzichtbare Exaktheit zu machen.

Dies setzt nicht nur die Kenntnis der gegenwärtigen Praxen voraus, sondern zudem eine ständige aufmerksame Beobachtung der Ausbildung und der Vermittlung der psychoanalytischen Werte.

Die IPV sollte den Austausch fördern, indem sie die Kreativität und die Forschungsaktivität der Gesellschaften unterstützt und dabei deren Individualität und Traditionen respektiert.

Der Beirat hat meiner Ansicht nach eine dreifache Aufgabe zu erfüllen. Erstens muss er die demokratische Transparenz garantieren, die für unsere Profession unverzichtbar ist. Zweitens muss er die Meinung der Mitglieder und der Gesellschaften vor dem Exekutivkomitee vertreten und die Mitglieder über ihre Gesellschaften von jedem Projekt in Kenntnis setzen, das im Exekutivkomitee beschlossen wird. Und schließlich muss er den Präsidenten bei seiner Leitungsaufgabe unterstützen und gleichzeitig an der strikten Befolgung der Satzung im Interesse der Mitgliederschaft und unserer Disziplin festhalten.

Der neue Beirat muss die bereits in Angriff genommene gründliche Erkundung der Erwartungen der Mitgliederschaft und der Gesellschaften, von denen viele mit der Wirtschaftskrise zu ringen haben, fortführen.

Was die Zukunft der IPV betrifft, so sind unterschiedliche Optionen zu erwägen:

1. Die erste, ehrgeizige Option versteht die IPV als eine Förderungsorganisation, die wissenschaftliche Projekte entwirft, auf den Weg bringt und publiziert sowie zahlreiche und mannigfaltige Forschungsprojekte und internationale Regulierungskomitee finanziert. Diese Option ist zweifellos attraktiv, verlangt aber auch eine Erweiterung der administrativen Strukturen, die wiederum weitere Kosten nach sich zieht.

2. Ich persönlich trete dafür ein, dass die IPV sich als Garant der Vermittlung der Psychoanalyse und ihrer Ethik versteht. Ihre Ziele sind zu beschränken auf die Unterstützung und Erleichterung des theoretischen und klinischen Austauschs zwischen den drei Regionen, auf die Förderung neu entstehender Gruppen und die Verteidigung einer unverwässerten Psychoanalyse.

Bisherige Ämter

IPA:  Europäische Vorsitzende des Programmkomitees 1995-1997; Vorsitzende des Komitees für Psychoanalyse und Gesellschaft 1997-2000; Repräsentantin im IPV-Beirat 2003-2007 und IPV-Exekutivkomitee.  Vorsitzende des Komitees für Internationale Neue Gruppen 2007-2009.  Vorsitzende des Site-Visit-Komitees für Portugal  2009 bis 2010.  Repräsentantin für Europa im IPV-Beirat und Exekutivkomitee seit 2011.  Pariser Psychoanalytische Gesellschaft:  Schatzmeisterin, Sekretärin, Präsidentin (zwei Amtszeiten) 1991-1999.  Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses 1999-2003; Herausgeberin und Mitbegründerin der Revue Française de Psychosomatique. Zurzeit und seit 2007 Präsidentin des Vorstands der Klinik der Pariser Gesellschaft ( Centre de Consultations et de Traitements de la SPP).

  

   Giovanna Ambrosio

In den Leitlinien der IPV lesen wir, der Zweck der Vereinigung bestehe darin, „die Psychoanalyse zu fördern […] die Vitalität und Weiterentwicklung der psychoanalytischen Wissenschaft auch weiterhin zu gewährleisten“. Ich führe dieses Zitat an, weil ich in den vergangenen Jahren mit wachsender Bestürzung eine Tendenz zur Konfusion und zu Generalisierungen verschiedenster Art beobachtet habe, die dann im Namen von „Demokratisierung“, Innovation, Anpassung an die Wirtschaftskrise und Erneuerung des „Alten“ als bemerkenswerte Errungenschaften gefeiert wurden.

Krise und Veränderung

Doch was ist neu, und was ist alt? Mit welchen Veränderungen müssen wir uns als Psychoanalytiker auseinandersetzen? Sind sie intrapsychischer Art? Sind es relationale Veränderungen? Aus simplifizierenden Hinweisen auf eine erstarrte, sklerotisierte psychoanalytische Community im unbezwingbaren „Elfenbeinturm“spräche heute glücklicherweise ein nicht gerechtfertigtes Vorurteil. Ich bin überzeugt, dass die aktuellen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen uns nicht daran hindern, die Psychoanalyse als eine Disziplin zu verstehen, in der Theorie, klinische Arbeit, Technik und Ethik ein Ganzes bilden; ich glaube auch nicht, dass ihre Grundparadigmen widerlegt worden sind. Vielleicht wäre es nützlich, gemeinsam über die Frage zu diskutieren, ob die Psychoanalyse als wertvolles Instrument dienen kann, das uns hilft, solche sozio-kulturellen Transformationen und/oder Härten zu verstehen und zu interpretieren.

Psychoanalyse und Psychotherapie

Was die uralte Frage nach der „Spezifität“ der Psychoanalyse angeht, so denke ich, dass wir uns, um nicht zu iatrogenen Therapeuten zu werden, die Unterschiede klar machen müssen, statt weiterhin unergiebig über „Kreuzrittergold oder –bronze“ zu diskutieren (natürlich führt jeder von uns in der täglichen klinischen Arbeit viele unterschiedliche Interventionen durch). Gemeinsam über die unverwechselbare Spezifität der psychoanalytischen Behandlung nachzudenken ermöglicht es uns, die Spezifität der Psychotherapie wiederherzustellen, die zunehmend zu einer Psychoanalyse zweiter Klasse degradiert wird.

Neue Technologien

Wir wissen selbstverständlich, dass Veränderung an sich nicht zwangsläufig Verbesserungen mit sich bringt; Veränderungen können auch eine Verarmung und einen Bedeutungsverlust einleiten. In der gesamten Ideengeschichte drehte sich unser Denken nicht um Veränderung und Entwicklung, sondern um die Qualität und den „Nutzen“ von Entwicklung. Das Internet ist zweifellos ein stupendes Instrumentarium, da es „Verbindung“ ermöglicht; doch warum sollte man es dermaßen weitgehend „nutzen“, dass man Skype-Analysen durchführt, die eine konzeptuelle „Entleerung“ unserer Disziplin mit sich bringen?

Expansion und psychoanalytische Qualität

Ich möchte noch einen weiteren wichtigen Aspekt zu bedenken geben, nämlich das Verhältnis zwischen der Wahrung psychoanalytischer Qualität einerseits und der Notwendigkeit andererseits, die Psychoanalyse in andere Länder hineinzutragen (diesbezüglich hat mir meine achtjährige Erfahrung in COWAP zu einem umfassenden Verständnis verholfen). Es besteht das Risiko, dass unsere Aufmerksamkeit für die Expansion nach „außen“ den Blick auf das verstellt, was „innen“ passiert. Ich denke, dass die Folgen einer Anpassung der zeitlichen Gestaltung, der Methode und des Ortes unserer Ausbildungsprogramme an die Bedingungen in geographisch weit entfernten Regionen gründlich bedacht werden müssen.

Für uns repräsentiert die Psychoanalyse das „gemeinsame Gute“, das es zu schützen und zu fördern gilt, und ich halte es für wichtig, dass unsere Community darüber nachdenkt, was wir verlieren und was wir gewinnen, wenn wir uns anschicken, vermeintlich neue Horizonte zu erobern.

Bisherige Ämter

IPA:  2001 - 2005 Europäische Co-Vorsitzende von Cowap (Komitee für Frauen und Psychoanalyse).  2005 - 2009 Cowap-Vorsitzende.  2009 - 2011 Cowap-Beraterin.  2000 - 2011 Gutachtertätigkeit für das International Journal of Psychoanalysis  2012 - Mitglied des Herausgebergremiums des International Journal of Psychoanalysis. Italienische Psychoanalytische Vereinigung (A.I.Psi).  1994 - 1996 Herausgeberin des Bulletin. Seit 1996 Leitende Herausgeberin von Psicoanalisi (Aipsi-Zeitschrift).  2003 - 2007 A.I.Psi-Sekretärin. Seit 2011 Mitherausgeberin der Webseite. Seit 2011 Leiterin des A.I.Psi-Ausbildungsinstituts.

  

  

    Nicolas de Coulon

 

Zur Wahl als Europäischer Repräsentant kandidiere ich aus mehreren Gründen:

 

1) Erstens ist es mir wichtig, die Arbeit des neuen, von Stefano Bolognini und Alexandra Billinghurst angeführten Vorstands zu unterstützen. Ich habe beide in den Jahren meiner Präsidentschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse kennengelernt, war von ihrem Stil und ihrem Einsatz beeindruckt und hatte den Wunsch, zur Entwicklung ihrer Ideen auf internationaler Ebene beizutragen. Gleichzeitig konnte ich andere Europäische Repräsentanten kennenlernen und gewann den Eindruck, dass ich in diesem Team gern mitarbeiten würde.

2) Wie jeder von uns komme ich aus einer nationalen Gesellschaft mit ihren eigenen charakteristischen Eigenschaften. Meiner Meinung nach besteht kein Zweifel an der Notwendigkeit, die Verbindungen zwischen den Gesellschaften und der IPV zu stärken. Die dazu erforderliche Arbeit ist von unverzichtbarer Bedeutung. Wir benötigen eine Art Treibriemen, der die Gesellschaften und ihre Bedürfnisse mit der IPV verbindet.

3) Auf IPV-Ebene zeigt die institutionelle Krise der vergangenen Jahre, wie wichtig es ist, die Koordination zwischen den verschiedenen Komitees voranzutreiben und Arbeitsgruppen (aufzubauen) WEITERZUFÜHREN, die dem kulturellen und wissenschaftlichen Austausch als Plattformen dienen.

4) Ich möchte darüber hinaus auch eine Öffentlichkeitsarbeit fördern, die die Information anderer Disziplinen und einen Dialog mit ihnen umfasst, der gewährleistet, dass die Psychoanalyse sozusagen online bleibt und mit den Entwicklungen der heutigen Welt Schritt halten kann. Zum Beispiel sollte der fruchtbare Beitrag nicht in Vergessenheit geraten, den die Psychoanalyse in den vergangenen Jahrzehnten zur psychiatrischen Behandlung geleistet hat; es wäre durchaus lohnend, in einer Schlacht, die meiner Ansicht nach allzu früh verloren geglaubt wurde, erneut zu den Waffen zu greifen. Als ehemaliger Leiter einer psychiatrischen Einrichtung habe ich keinen Zweifel daran, dass die Psychoanalyse in der Psychiatrie ebenso eine Zukunft hat wie in der Welt der Psychologie. Dies wird uns auch dabei helfen, die nächste Generation zu rekrutieren. Entsprechendes gilt zweifellos für die IPV-Webseite: Sie repräsentiert uns als Schnittstelle zur allgemeinen Gesellschaft. Doch sie sollte weiterentwickelt werden, damit sie den genuinen Dialog zwischen den Mitgliedern unserer Vereinigung noch besser fördern kann.

5) Die IPV ist meiner Ansicht nach ein Markplatz für Austauschprozesse, die unseren nationalen Gesellschaften eine grundlegende internationale Identität vermitteln; gleichzeitig vermag sie demokratische Verfahrensweisen garantieren, die die Traditionen und Kulturen einer jeden Region respektieren. Deshalb halte ich es für einen guten Zeitpunkt, meine institutionellen Fähigkeiten und meine einschlägige Erfahrung nun in den Dienst des inklusiven Ganzen zu stellen, das durch die IPV repräsentiert wird und in dem man stets aufs Neue und überall auf der Welt die angenehme Überraschung erlebt, dass man sich wie im Schoß der eigenen Familie fühlt!

Vielleicht interessiert es Sie, dass ich verheiratet bin und drei Kinder sowie zwei Enkelkinder habe. Ich arbeite als Psychoanalytiker in privater Praxis in Lausanne; als Lehranalytiker arbeite ich mit zahlreichen Kandidaten sowohl innerhalb als auch außerhalb meiner Gesellschaft; meine Muttersprache ist Französisch, aber ich spreche auch Deutsch, Italienisch und Englisch. Weitere Informationen finden Sie auf meiner Webseite: www.nicolasdecoulon.ch

Ich freue mich auf Ihre Unterstützung bei dieser Arbeit.

Bisherige Ämter

IPV: Europäisches Nominierungskomitee 2010-2011;  EPF: Vorstandsmitglied 2009-2012;  SSPsa (Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse): Präsident 2009-2012; Sekretär (als Mitglied des Vorstands) 2000-2003; Vorsitzender des Psychoanalytischen Zentrums Lausanne 2006-2009; Mitglied des Vorstands des Psychoanalytischen Zentrums Lausanne 2001-2006.

 

   Shmuel Erlich


In meinen bisherigen Amtszeiten im IPV-Beirat (2003-2007 und 2011-2012) konnte ich mein Verständnis für die organisatorischen Aufgaben und Schwierigkeiten der IPV vertiefen und meine Sachkenntnis erweitern. Die stetig wachsende Komplexität der psychoanalytischen Praxis, der Ausbildungsmodelle, der kulturellen Hintergründe und der theoretischen Positionen verlangen Überblick und Erfahrung. Dieselbe Komplexität führte bekanntlich zu Differenzen und potentiellen Spannungen, die nicht ohne Weiteres überbrückt und integriert werden können. Man benötigt Mut und Klugheit, um den Polarisierungen und Spannungen angemessen begegnen zu können und zugleich die Integrität der Psychoanalyse zu bewahren. Das ist keine geringe Aufgabe; sie erfordert Sensibilität, Sachkenntnis, Leadership und Integrationsvermögen.

Eine zentrale Aufgabe der IPV besteht in der Sicherung der hohen Ausbildungsstandards. In den vergangenen Jahren haben wir in diesem Bereich wichtige Entscheidungen getroffen. Mir war die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, im Prozess der Definition der drei Ausbildungsmodelle und bei ihrer Genehmigung eine wichtige Funktion zu erfüllen. Die drei Ausbildungsmodelle sind nunmehr in der IPV-Satzung festgeschrieben. Statt der Frequenz und der Anzahl von Sitzungen wurden die qualitativen Aspekte der psychoanalytischen Ausbildung ins Zentrum der Diskussion gerückt. Unsere Ausbildung weist jedoch nach wie vor eine hohe Variabilität auf, und es ist nicht wirklich klar, wie man psychoanalytische Kliniker am besten ausbildet. Als ehemaliger Vorsitzender des IPV-Komitees für Education and Oversight habe ich es zusammen mit meinen Kollegen unternommen, die Reflexion dieser Fragen und den Dialog zwischen den Leitern der Ausbildungsausschüsse und den Lehranalytikern in Europa und weltweit zu fördern. Diese Arbeit möchte ich fortsetzen. Sie belegt am Beispiel meine Fähigkeiten und Sachkenntnisse, wie sie im Beirat benötigt werden.

Meine bisherigen beruflichen und psychoanalytischen Aktivitäten zeigen, dass ich die erwünschten Eigenschaften für eine Mitarbeit im Beirat mitbringe. Persönlichen Erfahrungen habe ich in mehreren Ländern auf mehreren Kontinenten gesammelt; ich beherrsche mehrere Sprachen und bin mit ihren Kulturen und Traditionen vertraut. Zu meiner beruflichen Kompetenz zählen neben der Tätigkeit in privater Praxis auch die öffentlichen Positionen als Leitender Psychologe und als Direktor einer Abteilung für Jugendliche in einer psychiatrischen Klinik sowie die Mitarbeit in mehreren Regierungs- und Parlamentsausschüssen. Zusätzlich zu meiner langjährigen psychotherapeutischen und psychoanalytischen Praxis habe ich als Organisationsberater und als Experte für Gruppenbeziehungen gearbeitet. Was meine akademischen Tätigkeiten betrifft, so habe ich 35 Jahre lang an der Jerusalemer Hebrew University gelehrt. Ich war dort 15 Jahre lang als Sigmund Freud Professor of Psychoanalysis und Direktor des Freud Center for Psychoanalytic Study and Research tätig. Ich praktiziere als Psychoanalytiker, bin Lehranalytiker und Supervisor meiner Gesellschaft, lehre und supervidiere am Institut. Ich hatte wiederholt Führungsämter in der Israelischen Psychoanalytischen Gesellschaft sowie in der EPF und IPV inne.

Ich möchte für den Council of Representatives kandidieren und glaube, dass mich meine bisherigen nationalen und internationalen Tätigkeiten und Leistungen für dieses Amt qualifizieren. Im Falle meiner Wahl werde ich tun, was ich kann, um die psychoanalytische Integration zu fördern und um das Niveau und die Qualität der psychoanalytischen Ausbildung weiter zu verbessern.

Bisherige Ämter

IPV:  Beirat der Repräsentanten (2003-2007, 2011-2012); Vorsitzender des Komitees für Ausbildung und des Komitees für Ausbildung und Oversight (2005-2011); Komitee für Psychoanalyse & Universität, als europäischer Co-Chair, Mitglied und Berater (seit 2003); Komitee für Ernennungen; Komitee für Administrative Practices and Review; Komitee für integrierte Ausbildung (seit 2011). EPF: Vorsitzender der Arbeitsgruppe Interface Issues (2000-2005). Israelische Psychoanalytische Gesellschaft: Vorsitzender des Ausbildungsausschusses (1993-1997); Präsident (1998-2002). Herausgebergremien: Israel Annals of Psychiatry and Related Disciplines (1975-1978); Freie Assoziation (1998-2002); Organizational and Social Analysis (seit 1999); Psiche - Rivista di Cultura Psicoanalitica (seit 2001).

  

 

   Anna Nicolò

Ich betrachte die IPV als Referenzinstitution der gesamten psychoanalytischen Bewegung. Sie vermittelt Zugehörigkeit und Gemeinsamkeit innerhalb einer starken, aber agilen und flexiblen Organisation.

Die IPV ist auf Kontinuität angewiesen und muss flexibel bleiben, um sich in Reaktion auf die klinisch-wissenschaftlichen Anregungen weiterentwickeln zu können.

Aufgrund der Krise, die die heutige Psychoanalyse charakterisiert, sind Psychoanalytiker in geringerem Maße an der universitären Ausbildung beteiligt; darunter leidet die Ausbildung junger Menschen, denn ihnen wird der Reichtum, den unsere Disziplin vermitteln kann, vorenthalten.

Zu beobachten ist überdies eine rückläufige Präsenz von Psychoanalytikern in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen. Diese Situation geht zu Lasten der Entwicklungsanreize, die sich für Analytiker aus dem Vergleich mit Patienten, die private Praxen aufsuchen,  ergeben können, und beeinträchtigt die Vielfalt des Therapieangebots in öffentlichen Einrichtungen.

Neben weiteren Aspekten sind diese beiden Faktoren für den Rückgang der Zahl an Ausbildungsbewerbern sowie für die wachsenden Schwierigkeiten unserer Kandidaten, Patienten zu finden, verantwortlich.

Deshalb ist es notwendig, dass die Psychoanalyse sich anderen Kontexten öffnet und auf diese Weise verlässlich über unsere Art der Arbeit, die so häufig von anderen psychotherapeutischen Modellen annektiert und imitiert wird, informiert.

Die psychoanalytische Arbeit in anderen als dem klassischen Setting der Erwachsenenanalyse, d.h. zum Beispiel die Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen und ihren Eltern oder die Arbeit in Institutionen sowie die angewandte Psychoanalyse, haben sich in dieser Hinsicht als besonders nützlich erwiesen. Diese Arbeit ist eine Herausforderung, die bereits viele Kollegen angenommen haben, die aber auf einen präzisen und ausgewogenen Impuls angewiesen ist.

Ich bin überzeugt, dass unterschiedliche Forschungsperspektiven, die die psychoanalytische Welt zunehmend bereichert haben, ausgebaut werden müssen. Jeder Psychoanalytiker ist per se auch ein Forscher, aber wir müssen unsere entsprechenden Anstrengungen vervielfachen.

Unsere psychoanalytischen Gesellschaften unterscheiden sich sowohl, was ihre theoretisch-klinischen Modelle anlangt, als auch in ihrer jeweiligen Struktur. Ein wechselseitiger Austausch verspricht gewaltige Weiterentwicklung.

Die Aufgabe, die ich mir vorgenommen habe, ist nicht nur schwierig, sondern auch sehr verantwortungsvoll. Wer eine solche Verpflichtung eingeht, muss für die Vorschläge von Kollegen empfänglich sein und sich einen unverstellten Blick bewahren.

Meiner Ansicht nach würde sich meine Arbeit im Wesentlichen auf mindestens drei Bereiche konzentrieren:

Auf die Krise der Psychoanalyse als Folge ihres progressiven Verschwindens aus den psychologischen und psychiatrischen Studiengängen der Universitäten und ihr Fehlen als Therapiemethode im öffentlichen Gesundheitssystem.

Auf die Öffnung und Erweiterung der Psychoanalyse in Settings mit Kindern und Jugendlichen sowie in Settings der angewandten Psychoanalyse und die Arbeit in unterschiedlichen Kontexten der klassischen Psychoanalyse als zeitgemäße und fokussierte Therapie im öffentlichen Gesundheitssystem.

Auf den weltweiten Austausch zwischen unterschiedlichen theoretisch-klinischen Modellen und Fachkenntnissen im Sinne der Stärkung gemeinsamer Elemente der Psychoanalyse.  

Die Arbeit, die ich während der vergangenen zwei Jahre im IPV-Beirat geleistet habe, hat mir noch schärfer bewusst gemacht, wie wichtig es ist, die von mir gesetzten Ziele zu erreichen. Meine Motivation, mich in dieser Richtung zu engagieren und dazu beizutragen, die IPV am Leben zu erhalten und sie zu einem Bezug für Analytiker überall auf der Welt zu machen, ist stetig gewachsen.

Bisherige Ämter

IPV: Regionale Repräsentantin für Europa im Beirat der Repräsentanten; Italienische Beraterin für das Programmkomitee des 44. IPV-Kongresses 2005. EPF: Vorsitzende des Forums für Adoleszenz 2005-2011; Komitee des Forums für Adoleszenz, seit 2005. SPI: Wissenschaftliche Sekretärin des Römischen Psychoanalytischen Zentrums (Italienische Psychoanalytische Gesellschaft) 2002-2006; Nationales Komitee für Kinder- und Jugendlichenpsychoanalyse 2001-2002; Mitglied der örtlichen Kommission des Ausbildungsinstituts (Sektion 1, Rom) 2008-2012; verantwortlich für den „Adoleszenz“-Teil der Webseite der SPI seit 2009.

 

 

  Bent Rosenbaum

 

Ich bin seit 1992 Mitglied der IPV. Vorher war ich neun Jahre lang Präsident der dänischen IPSO, davon zwei Jahre auch Mitglied des internationalen IPSO-Vorstandes.

Ich halte die Treue zum eigenen theoretischen Paradigma, einhergehend mit dem Respekt vor anderen Orientierungen, für eine schwierig zu wahrende, aber unverzichtbare Ausgangsbasis eines jeden Psychoanalytikers, der wichtige nationale oder internationale Aufgaben übernimmt. Ich habe diese Leitlinie in meinem bisherigen Berufsleben stets befolgt. Als ich von 1989 bis 1999 die Psychotherapie-Abteilung des Psychiatrischen Universitätskrankenhauses von Aarhus leitete, habe ich mir einen Ruf als Förderer eines breitgefächerten psychoanalytischen interkulturellen Austausches erworben, indem ich Psychoanalytiker unterschiedlicher theoretischer Orientierung (Freudianer, Kleinianer, Winnicottianer, Lacanianer) zu theoretischen Seminaren und Supervisionen einlud, die den Psychotherapeuten und Psychiatern des nationalen Gesundheitssystems ein breites Verständnis des zeitgenössischen Psychoanalyse vermitteln konnten.

Durch meine Wahl zum Präsidenten der Dänischen Psychoanalytischen Gesellschaft im Jahr 2003 wurde ich auch zum Mitglied des EPF-Vorstands. Meine insgesamt siebenjährige Amtszeit als Präsident gab mir Gelegenheit, die Entwicklung und die Kontexte der europäischen Gesellschaften und Vereinigungen gründlicher kennenzulernen und zu vielen von ihnen Arbeitsbeziehungen aufzubauen. 2010 wurde ich europäischer Vorsitzender des IPV-Komitees Internationale Neue Gruppen (ING); in dieser Eigenschaft habe ich Verbindungen zu zahlreichen Mitgliedern des Europäischen Unterstützungskomitees sowie zu ING-Kollegen aus der NAPSaC und der FEPAL entwickelt.

Ich hoffe, mit dieser Darstellung zu zeigen, dass ich über beträchtliche Organisationserfahrung auf lokaler, nationaler und internationaler Leitungsebene verfüge. Teil dieser Erfahrung ist die Fähigkeit, unvermeidliche Gruppenspannungen zu bewältigen und zu containen und die Konzentration auf die anliegende Aufgabe zu lenken, damit Entscheidungen getroffen und nach Möglichkeit in die Tat umgesetzt werden können. Mein großes Interesse am Funktionieren von Gruppen und an der Dynamik von Organisationen hat sich in dieser Hinsicht als ausgesprochen wichtig erwiesen.

Im Falle meiner Wahl gilt mein Einsatz der Förderung

1. hoher Ausbildungs- und ethischer Standards in der Ausbildung von Analytikern;

2. des Respekts vor den kulturellen Unterschieden in der IPV und EPF, die ich als eine potentielle Quelle der Stärke betrachte. Die Rolle der IPV sollte darin bestehen, den Ausbildungs-, Organisations- und politischen Rahmen zu gewährleisten; für Struktur und Inhalt sollten die regionalen Gremien und die einzelnen Gesellschaften verantwortlich sein, die die spezifische Situation vor Ort am besten verstehen.

3. einer Integration der Diversität basaler Theorien, die als grundlegend für das psychoanalytische Denken zu betrachten sind; gleichzeitig ist die Weiterentwicklung der spezifischen theoretischen Bezugsrahmen zu unterstützen.

4. Ich werde mich für die Förderung der Psychoanalyse als angesehene theoretische, klinische und wissenschaftliche Disziplin einsetzen. Ich bin überzeugt, dass interdisziplinäre Arbeit und Forschungen unterschiedlicher Art unverzichtbar sind, damit der Respekt vor dem einzigartigen Status der Psychoanalyse und sein Verständnis bewahrt werden können.

Bei meiner Arbeit lege ich größten Wert auf Transparenz, Aufrichtigkeit, Klarheit und Rationalität in Auseinandersetzungen und Entscheidungsprozessen.

Ämter in der IPV, EPF und national

Bisherige Ämter

Seit 2000   Gutachter für Scandinavian Psychoanalytic Review und International Journal of Psychoanalysis. Seit 2000   Vositzender des Forschungskomitees der Dänischen Psychoanalytischen Gesellschaft.  2002-2009 Mitglied der EPF-Arbeitsgruppe "Trauma".  2004-2011 Präsident der Dänischen Psychoanalytischen Gesellschaft.  Seit 2009   Europäischer Vorsitzender des IPV-Komitees Neue Gruppe.  Seit 2011   Vorsitzender des Programmkomitees der Dänischen    Psychoanalytischen Gesellschaft

 

  Franz Wellendorf

In meinem Positionspapier für die Wahl zum IPV-Beirat 2011 hatte ich folgende Ziele  formuliert:

(1)  Psychoanalyse ist seit über 100 Jahren eine lebendige, sich entwickelnde Wissenschaft und klinische Praxis. Es geht uns Psychoanalytikern darum, dem Subjekt einen Raum für authentische, wahrhaftige Kommunikation zu schaffen. Es ist Aufgabe der IPV und jedes ihrer Mitglieder, im Geiste von Offenheit und Wahrhaftigkeit die Psychoanalyse in ihren theoretischen Entwicklungen und ihrer vielfältigen Praxis zu fördern. Ich möchte an der Vertiefung des Verständnisses der Essentials der Psychoanalyse mitarbeiten.

(2)Die psychoanalytische Ausbildung ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unserer Disziplin.  Die IPV hat mit der Anerkennung der drei Ausbildungsmodelle einen wichtigen Schritt gemacht. Diese Modelle müssen weiter durchdacht, ihre jeweiligen Möglichkeiten und Grenzen auf der Grundlage verschiedener psychoanalytischen Kulturen untersucht werden. Als Mitglied des Beirats bin ich offen für die Erfahrungen mit der Ausbildung in anderen Ländern und die Entwicklung neuer innovativer Ausbildungsverfahren.

(3)Ich bin daran interessiert, über den sich stark verändernden sozioökonomischen und kulturellen Kontext, in dem Psychoanalyse heute praktiziert wird, und die damit verbundenen Herausforderungen für Theorie und Praxis nachzudenken. Der Beirat mit Vertretern aus den drei Regionen bietet besondere Möglichkeiten, mit Kollegen aus anderen Kulturen transkulturelle Bedingungen psychoanalytischer Praxis zu untersuchen. Ein wichtiges Arbeitsfeld ist die Ausbreitung in neue Regionen (z.B. China, Korea, Nordafrika).   Die Vermittlung der Psychoanalyse muss hier m.E. auf der Grundlage ihrer Essentials neu überdacht werden.

(4)Ich möchte  innovative psychoanalytische Forschung anregen und unterstützen, ohne eine bestimmte Forschungsrichtung zu bevorzugen.

 

Diese Ziele sind für mich nach wie vor ein wichtiger Leitfaden. Ich halte es für wichtig, dass der Beirat eine Kultur des offenen Nachdenkens und der Zusammenarbeit nach innen und außen fördert. Es geht um das Wohl der IPV und ihrer Gesellschaften.   Seit seiner Neu-Konstituierung 2011 in Mexico  ist im Beirat eine fruchtbare und kollegiale Atmosphäre der Zusammenarbeit entstanden.  Unter anderem hat sich  der Austausch und die Kommunikation zwischen den drei Regionen  intensiviert. Ich möchte  im Dienste der Sache die Kooperation im Beirat fördern und  daran mitwirken, dass das Gremium kompetent und arbeitsfähig ist. Wichtig ist mir, dass im Beirat und seinen Kommissionen unterschiedliche Auffassungen und Interessen ihren Platz finden und zur Sprache gebracht werden können. Dafür ist  offene Diskussion, Transparenz und unbehinderter Informationsfluss innen und außen nötig.

Als Mitglied  der Gruppe der EuroReps, von CAPR und B&FC möchte ich die dort begonnene Arbeit fortsetzen. Zentrale Aufgaben sind dabei unter anderem: die Sicherung einen ausgewogenen Haushalts, die  Suche nach Antworten auf die Herausforderung des „Aging“, ein erneutes Durchdenken der Ausbildung und die Reviews der Arbeit der vielen Kommissionen der IPA.  Ein besonderes Anliegen ist es mir auch, zusammen mit meinen Kollegen die Zusammenarbeit mit der EPF und den Europäischen Gesellschaften zu fördern.

Besondere Bedeutung  für alle  Arbeiten im Beirat und  seinen  Kommissionen  haben  die im August 2011 verabschiedeten Strategic Objectives. Ich meine, sie müssen  unbedingt als Leitfaden der vielfältigen  Aktivitäten der IPA dienen. Es geht um die Transparenz der Ziele, der Struktur und der Arbeit der IPA.

Bisherige Ämter

DPG: 1985 Lehranalytiker / Supervisor; Mitglied / Dozent des Instituts Hamburg; 1991 – 1995 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Hamburg; 1991 – 2001 Mitglied des DPG-Vorstands; 1995 – 2001 Vorsitzender des DPG-Ausbildungsausschusses; 2001 - 2011 DPG-Vorsitzender.  EPF: 2001 - 2011 Mitglied des EPF Council; 2001 – 2005 Mitglied der EPF Working Party on Interface.  IPA: Seit August 2011 Mitglied des IPV-Beirats, Chair der EuroReps, Mitglied von CAPR; seit August 2012 Mitglied des Budget & Finance Committees